Das U-Wort

2. Juli 2009

Der Zahnarzt? Fühlt auf dem Malediven einer Südseeschönheit auf den Zahn. Der Klempner? Zum Rohrverlegen nach Mallorca abgedüst. Der Fliesenleger? Legt auf Kreta eine flach. Der Postbote? Eine Aushilfe, der in Dr. Huchs Briefkasten auch gleich die Post der linken und rechten Nachbarn unterzubringen versteht. Der Malermeister? Hat den Farbeimer mit einem Eimer Sangria vertauscht.

Kurzum, die Urlaubszeit bricht aus und die öffentliche Ordnung zusammen, wie jedes Jahr.

Dr. Huch wird nie begreifen, warum sich die Leute dann, wenn es hier  unerträglich heiss und schwül ist, auf beschwerliche Reisen begeben, an deren Ziel es noch heisser und noch schwüler ist…


Dr. Huchs Kampf mit der Fremdsprache – zweiter Teil

1. Juni 2009

Es muss eingestanden werden, um Dr. Huchs Selbstdisziplin steht es, nicht nur beim Sprachenlernen, traditionell nicht zum Besten.

Hier einige Werkzeuge, die einem immer wieder klar machen, was man alles noch nicht kann, bzw. dass man eigentlich noch garnix kann:

Dr. Huchs Lernstatus:

  • Hiragana ok mit leichter Einrostungs-Tendenz
  • Katakana so lala (leicht übertrieben)
  • Kanji quasi inexistent
  • Aussprache: vermutlich total daneben, aber mich hört ja keiner ;-)
  • Vokabular: Embryonalstadium
  • Grammatik: katastrophal

Dr. Huchs Kampf mit der Fremdsprache – erster Teil

29. März 2009

Ungeachtet seines biblischen Alters hat sich Dr. Huch entschlossen, endlich ernsthaft in das Erlernen der japanischen Sprache einzusteigen. Verschiedene halbherzige Versuche in der Vergangenheit hinterliessen zwar Bruch- und Versatzstücke einzelner Vokabeln oder grammatikalischer Regeln, aber nichts wirklich nutzbares.

Bisher war der Autor dieser Zeilen der Meinung, sich um das mühselige Erlernen der japanischen Schrift(en!) herumdrücken zu können. Um uns Westlern das Leben möglichst ungemütlich zu machen, haben die Kollegen aus Fernost nämlich die sogenannten Kana-Schriften Hiragana (sieht etwa SO: ひらがな aus) und Katakana (SO: カタカナ) erfunden sowie einige Quadrillionen unterschiedlicher Kanji-Zeichen von den Chinesen geklaut.  Zusätzlich existiert noch die “lateinische” Umschrift Romaji, die einen allerdings nicht wirklich weiterbringt, sobald man sich mit Texten originär japanischen Ursprungs beschäftigt. Nur mit Romaji allein gewinnt man leider keinen Blumentopf, zu dieser Ansicht gelangte nun, spät aber dennoch, auch Dr. Huch.

Nun, es ist ein erster Erfolg zu vermelden, nach einiger Überwindung kann die Hiragana als bezwungen gelten. Damit fangen die japanischen Schulkinder übrigens auch an, die intellektuellen Anforderungen an den Lernenden halten sich also in gewissen Grenzen…

Als hilfreich erwies sich “Die Kana lernen und behalten” von James W. Heisig. Hierbei wird zu jedem Zeichen eine (mehr oder weniger originelle) Story erfunden, die man sich besser als das abstrakte Gepinsel merken können soll. Klappt meistens, allerdings mußte Dr. Huch an einigen Stellen etwas nachhelfen und sich eigene Geschichtlein ausdenken. Für das Zeichen (Fu bzw. Hu) merkt sich “Fusspilz” einfach leichter als “Hustensaft”, weil man bei genauerem Hinsehen an einen zugebenermassen etwas missgebildeten Fuss erinnert wird, aber kein bisschen an Husten oder Saft…

In diesem Sinne: さようなら fürs Erste! (さ=SA,  よ=YO, な=NA, ら=RA)

Ist doch alles gar nicht so kompliziert, oder? oder vielleicht doch? Wir werden sehen, I’ll keep you posted.


Hat er eine Schreibblockade?

3. Februar 2009

oder warum tut sich hier fast nix??

Nun ja, Dr. Huch hat zur Zeit ein kleines Problem…

Alle Themen, mit denen er sich aktuell befasst, sind entweder zuwenig jugendfrei um hier behandelt zu werden oder aber zu allgemeingültig für einen Blog und daher in Wikipedia besser aufgehoben

Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage…


Gefallene Mädchen kannte man ja schon…

27. Oktober 2008

bei gefallenen Soldaten muss man erstmal schlucken…

Normalerweise hält sich Dr. Huch bei tagespolitischen Themen zurück, ausreichend viele Blogger fühlen sich berufen, Ihren Senf zu allem dazuzugeben, was so passiert.

Nur zu leicht erliegt auch Dr. Huch der Versuchung, die Nachrichten an sich vorbeischwappen zu lassen, soviel Schreckliches passiert täglich überall in der Welt, man kann sich ja schließlich nicht um alles kümmern. Nun ja, das setzt allerdings voraus, dass man sich um irgendetwas kümmert. Und da sieht Dr. Huch irgendwie ziemlich alt aus und so kam es, wie es kommen mußte, irgendwann beginnt etwas an seinem Gewissen zu nagen, zaghaft zunächst und dann immer stärker wahrnehmbar… “Afghanistan”

Ein von Krieg und Chaos seit Jahrzehnten umgepflügtes Land, ohne funktionierende Zivilgesellschaft, von rivalisierenden Ethnien geprägt und von ganz ordinären Gangsterbossen tyrannisiert, die auf jede Störung Ihrer lukrativen Geschäfte ausgesprochen gallig reagieren (schon mal was von “rent-a-taliban” gehört? Nein? wird Zeit…)

Und mittendrin ein Häuflein (wirklich nur ein Häuflein in Anbetracht der Größes des Landes) Soldaten aus fremden Ländern, Großteils sicher mit guter Absicht dort, aber nicht davor gefeit, einen Fettnäpfchen-Marathon zu absolvieren und in das Räderwerk innerafghanischer Zwistigkeiten zu geraten.

Greifen wir uns aus diesem Häuflein nun noch ein ganz besonderes Grüppchen heraus, dasjenige aus dem fernen Germanien nämlich.

Hier ist ein kurzer Exkurs in Dr. Huchs Background unumgänglich. Als Kind des kalten Krieges, geprägt von Lehrern die Ihrerseits vom Geist der 68er-Revoluzzer geprägt waren, konnte er kaum umhin, eine ziemlich unmilitärische Grundhaltung an den Tag zu legen. Nein, ein friedensbewegter Ostermarschierer war er sicher nicht, aber der Gedanke an deutsche Soldaten in einem Kampfeinsatz war schlichtweg unvorstellbar. Die Bundeswehr hatte ein “Y” auf dem Nummernschild, weil sie das Ende von Germany war, sie diente dazu, den Feind solange hinzuhalten, bis richtiges Militär eintrifft usw. usf., nein, eine besonders hohe Meinung hatte man damals nicht von der grünen Firma. War aber auch garnicht nötig, man rechnete ja sowieso täglich mit dem Ausbruch des dritten Weltkrieges, der verdammt kurz, verdammt nuklear und vor allem verdammt tödlich ausfallen würde. Die Details, die nach dem Fall des eisernen Vorhangs über die Aufmarschpläne und Kriegsszenarien der Großmächte bekanntwurden, bestätigen dies im Nachhinein. Allem Militärischen haftete der Beigeschmack des Reaktionären an, Dr. Huch ist heute noch erstaunt, wieso Bundeswehrparkas (inkl. Deutschlandfähnchen am Ärmel!) bei den Gorleben-, NATO-Doppelbeschluß und Wackersdorftouristen so erstaunlich beliebt waren. Revolutionärer Pragmatismus vermutlich.

Und jetzt wird Deutschland am Hindukusch verteidigt? Starker Tobak für Dr. Huch und seine Altersgenossen. Instinktiv reagiert man mit “Da halten wir uns mal lieber fein raus” und freut sich heimlich, dass nach 1945 niemand größeres Interesse daran hatte, deutsche Soldaten außerhalb der Landesgrenzen zu Gesicht zu bekommen. Ist der Ruf erst ruiniert, drückt es sich ganz unbeschwert, Nein, mit dieser geschichtlichen Vorbelastung sind Auslandseinsätze der Bundeswehr schlichtweg unvorstellbar, dafür haben Sie doch sicher Verständnis, oder? Wie jetzt, doch nicht? Ups. Nun wirds etwas heikel, die bequeme Drückebergerei Zurückhaltung, die doch solange prima funktioniert hat, die lässt man uns nicht mehr durchgehen. Fies irgendwie, erst erziehen die uns zu Pazifisten und dann sollen doch wieder die “Germans to the front”?

Überspringen wir der Einfachheit halber ein paar Jahre, in denen die deutsche Öffentlichkeit zart an das Thema herangeführt wurde und betrachten wir den Schlamassel, den wir jetzt vor uns liegen haben.

Exkurs Ende, kommen wir zurück zu den (wenn man den Meinungsumfragen glauben darf) gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung nach Afghanistan entsandten Bundeswehrsoldaten. Da sitzen sie nun, im vorgeblich “sicheren” Norden, bauen Brunnen, verteilen Schulhefte und trennen Ihren Müll, natürlich darf ein gepanzertes Fahrzeug mit abgelaufener TÜV-Plakette nicht vom Hof fahren, wir sind ja schließlich nicht bei den Hottentotten und der Amtsschimmel wiehert am Hindukusch genauso laut wie daheim.

Und plötzlich wirds ernst. Verdammt ernst sogar. Es wird geschossen, Raketen fliegen mal mehr und mal weniger zielgerichtet auf das Lager zu, Nein, Krieg ist das natürlich nicht, mehr sowas wie, ähm,  nunja, ein Einsatz halt, friedenserhaltend und so, Sie wissen schon.

Dreißig Tote, bisher. Junge Kerle zumeist, Anfang 20, das ganze Leben noch vor sich, von einem meist auch nicht älteren Selbstmordattentäter in Fetzen gerissen, dem das Luxusleben eines Märtyrers (mit reichlich Jungfrauen und so) schmackhaft gemacht wurde.

Reflex der Generation Golf (jaja, auch Dr. Huchs erstes eigenes Auto war ein Golf, Baujahr 78): Sofort raus aus Afghanistan, sollen die da doch sehen wie sie klarkommen. Was haben wir mit deren Stammesfehden zu tun.

Und hier beginnt nun der leise Zweifel an Dr. Huch zu nagen. Knabber. Kau. Um die Soldaten zu killen, zögern die keine Sekunde, auch einen Haufen Schulkinder, die sich zufällig in der Nähe befinden, mit in die Luft zu jagen. Keine Sekunde, buchstäblich.

Darf man ein Land, und sei es noch so fern, solchen Leuten sang- und klang- und kampflos überlassen?

Darf man das?


Wer braucht Herbstmilch, Herbstmucke tut not…

16. Oktober 2008

Dr. Huch blickt versonnen über die Zinnen seines einsamen Turmes der Weisheit. Regenschauer, graue Wolken, kurze Tage, heisser Tee…

Genau die richtigen Ingredienzien, um sich dieser wohlig sentimental melancholisch grenzwertig trübsinnigen Herbststimmung hinzugeben. Fehlt noch die passende akustische Untermalung, daher nun einige Empfehlungen aus Dr. Huchs Musiktruhe.

Zu den absoluten Klassikern, in die Dr. Huchs Grammophon bevorzugt seine Nadel sticht, gehören um diese Jahreszeit eindeutig:

  • Diamonds and Rust von Joan Baez, aber bitte nicht life gesungen
  • Die Dire Straits mit Brothers in Arms
  • The Last Unicorn von America
  • Natürlich Hallelujah, bevorzugt in der Fassung von Jeff Buckley, die dem Original von Leonard Cohen nach der unmassgeblichen Meinung von Dr. Huch vorzuziehen ist, allerdings hat auch Rufus Wainwright eine brauchbare Coverversion fertiggebracht
  • Wie wärs dann noch mit When Winter Comes von Chris de Burgh?
  • Oder vielleicht Hymn von Barclay James Harvest?
  • Travelin’ Soldier von den Dixie Chicks?
  • Natürlich In The Ghetto von Elvis
  • Don’t Cry for me Argentina, Dr. Huch bevorzugt auch hier die Version von Joan Baez
  • Simple Man, Simple Dream von Linda Ronstadt
  • Follow Me oder Like A Sad Song von John Denver
  • Schwanenkönig, aber bitte von Karat
  • Almost Paradise von Ann Wilson
  • The Closest Thing to Crazy von Katie Melua, um dem Vorwurf zu entgehen, Dr. Huch sei irgendwann in den frühen 80ern steckengeblieben (was nichts desto trotz genaugenommen kaum zu leugnen ist)
  • Uriah Heep mit Lady in Black sollte nicht fehlen
  • Und zu guter Letzt vielleicht Life’s Railway to Heaven von Johnny Cash?

Dies ist natürlich nur eine kleine subjektive Auswahl, sollte ein sentimentaler Schmachtfetzen unbedingt in diese Liste aufgenommen werden Anregungen bitte an Dr. Huch.

Und keine Sorge:

Bevor die Sache sich bei irgendjemandem zu einer handfesten Winterdepression auswächst, liefert Dr. Huch zu gegebener Zeit die Hitparade der Stimmungsaufhellenden Klassiker, versprochen ;-)


Dr. Huch und der gemeine deutsche Autofahrer

9. Oktober 2008

Selten verlässt der Autor dieses Blogs seinen einsamen Turm des Sinnierens auf der finsteren Klippe der Weitsicht und taucht in die Niederungen des Straßenverkehrs ein.

Zwei Dinge sind es, die den deutschen Autofahrer intellektuell komplett überfordern und Dr. Huch zuweilen in einen Zustand der Raserei bringen. Es handelt sich

a) um das Reißverschlussprinzip sowie

b) um den Kreisverkehr, gemeinhin auch als “Kreisel” bekannt

Nein lieber Verkehrsteilnehmer, beim Reißverschlussprinzip geht es nicht darum, die heisse Schnecke von nebenan möglichs textilienschonend aus Ihrem kleinen Schwarzen zu pellen. Es geht einfach nur darum, möglicht weit zweispurig an eine Engstelle heranzufahren und dann wechselweise (!) ein Töfftöff von der linken Spur, eins von der rechten, das Hindernis zu passieren. Eigentlich ganz simpel, sollte man denken. Irrtum, denn leider wird der gemeine deutsche Autofahrer primär in zwei Geschmacksrichtungen geliefert: als Drängler oder als Weichei.

Das Weichei ahnt eine Engstelle mittels einer medizinisch noch nicht ganz geklärten Sinneswahrnehmung bereits mehrere Kilometer vor dem ersten Hinweisschild voraus. Er wechselt sofort auf die von der Verengung voraussichtlich nicht betroffene Spur und kleibt auf dieser, mindestens bis zur Engstelle, häufig aber zur Sicherheit noch ein paar Kilometer darüber hinaus.

Der Drängler hingegen nutzt, in der Regel unter Einsatz fragwürdigster Spurwechselmanöver, jede Lücke um möglichst nahe an die Engstelle heranzubrausen und sich im letzen Moment und höchstens drei Zentimeter vor der Warnbake auf die verbleibende Spur herüberzudrängeln, wo er bereits durch ein fröhliches Hupkonzert der dort wartenden Weicheier (s.o.) aufs Herzlichste begrüßt wird.

Sollte der geneigte Leser weder zu den Weicheiern noch zu den Dränglern zählen, so sei ihm das Mitleid des Dr. Huch gewiß.

Nun zum Kreisel…

Seit irgendwelche Fürsten der Verkehrsunsicherheitsbehörden befunden haben, dass ein Kreisverkehr der gemeinen Ampel in allen Belangen überlegen ist, wird noch im letzten Kaff zumindest an allen verfügbaren Ortseingängen Platz für einen Kreisel geschaffen.

Dr. Huch vermutet stark, dass da das eine oder andere Brüsseler Fördertöpfchen auch eine Rolle spielen dürfte, denn Beobachtungen in anderen EU-Ländern fördern eine vergleichbare Kreiselbausymptomatik ans Licht. Es ist daher davon auszugehen, dass die Aliens, die bisher für die Anlage geometrisch korrekter Kornkreise verantwortlich zeichneten, sich nun dem Strassenbau zugewandt haben und die zuständigen EU-Behörden unterwandert haben. Sch… wo ist Fox Mulder wenn man ihn mal braucht.

Nun aber zur eigentlichen Problematik. Und wir reden hier nicht von den wirklich hundsgemeinen Kreisverkehren in Metropolen, bei denen mit schöner Regelmäßigkeit auf den inneren Spuren Autowracks mit verhungerten Touristen entsorgt werden müssen. Nein, wir reden vom eigentlich völlig harmlosen, einspurigen Provinzkreisel.

Wie hierzulande nicht anders zu erwarten, ist natürlich alles vollständig und vorbildlich gesetzlich geregelt, ein Blick in §9a (”Kreisverkehr”) der Straßenverkehrsordnung sollte auch dem Autofahrer, der mit dem Intelligenzquotienten einer Nacktschnecke gesegnet ist (nennen wir sie die “oberen Zehntausend”) sicheres Geleit bieten, auch wenns auf der Straße mal rund geht.

Dr. Huch faßt (ohne jegliche Hoffnung auf Besserung der Situation) kurz zusammen:

  • Fährst du REIN in den Kreisel, dann darfst du NICHT blinken.
  • Willst du RAUS aus dem Kreisel, dann MUSST du blinken (möglichst erst vor der Ausfahrt, die du auch zu nehmen gedenkst, alles andere könnte zu leichten Mißverständnissen seitens deiner Mitkreisler führen)

Ist doch gar nicht so schwer, Leute, oder? ODER???


Dr. Huchs Chattertypologie Teil 18 – Der Speicherer

5. Oktober 2008

Heute: Der Speicherer

Speicherer, das sei vorweg gesagt, sind ganz üble Gesellen und dementsprechend zahlreich vertreten. Sie kompensieren ihr lausiges Gedächtnis durch ausgiebiges Cut and Paste and Save und gaukeln ihrem unbedarft Gegenüber vor, sich an jede Kleinigkeit aller bisherigen privaten Dialoge en detail erinnern zu können. Sichtlich beeindruckt fühlt man sich am Bauch gekitzelt, meine Herren, was der/die sich alles über mich gemerkt hat, scheint sich ja wirklich für mich zu interessieren.

Der Haken an der Sache: Dieses wohlige Gefühl verschafft der Speicherer in der Regel einer ganzen Reihe von Chattern, zumeist weil er einfach ansonsten den Überblick verliert. Durch Speichern der Dialoge auf der heimischen Festplatte (möglichst gesichert gegen unerwünschten Zugriff durch Schutzbefohlene oder andere interessierte Kreise) entgeht man mancher Peinlichkeit. Schließlich mag ja auch niemand während einer heißen Liebesnacht mit dem falschen Vornamen angestöhnt werden, oder?

Dialoge speichern wird in der einschlägigen Fachliteratur gern mit der Masturbation verglichen, wer behauptet, er tuts nicht, der lügt.

Dr. Huchs Bewertung:
Wer von Euch ohne Zwischenablage ist, der werfe den ersten Legostein…


Dr. Huchs Chattertypologie Teil 17 – Der/Die Omnipräsente

3. Oktober 2008

Heute: Der/Die “Omnipräsente”

Bevor Dr. Huch wieder des galoppierenden Fremdwörterfetischismus geziehen wird, hier vorweg eine aus der Wikipedia geklaute Begriffsdefinition: Die Allgegenwart oder Allgegenwärtigkeit (lateinisch: Omnipräsenz oder Ubiquität) bedeutet allgemein zu jeder Zeit an jedem Ort präsent zu sein.

Im Chat bezieht sich dies auf Dauerchatter, von denen man sich des Abends, wenn die Gerechten schlafen gehen, höflich verabschiedet hat, nur um sie am nächsten Morgen immer noch am selben (virtuellen) Orte vorzufinden. Omnis, wie wir Sie hier der Einfachheit halber und verniedlichend nennen wollen, treten häufig paar- oder gruppenweise auf, Dr. Huch vermutet hier ein gewisses gegenseitiges Aufschaukeln (”ach, der/die ist ja auch noch da, dann bin ich ja doch nicht ganz so abartig, wie ich dachte”).

Dauerchatter plagt nach eigener Aussage eigentlich dauernd ein schlechtes Gewissen, weil sie ihr reales Leben vernachlässigen und soziale Kontakte außerhalb des Chats nicht mehr richtig pflegen. Im selben Maße wie ihr Ansehen im Chat steigt (Surprise, Surprise, Ansehen hat dort was mit Präsenz zu tun, je häufiger man online ist, desto mehr Leute kennen einen) werden sie in der rauen Wirklichkeit zu Eigenbrötlern. Ehen sind an Omnipräsenz zerbrochen, Kinder bei Jugendämtern gelandet und der eine oder andere Job ist auf Nimmerwiedersehen verlorengegangen, da unser Omni leider nicht die Zeit fand, sich um die Belange des Gatten/Nachwuchses/Arbeitgebers hinreichend zu kümmern. Viele Omnis lassen sich eine Operator-Rolle aufschwatzen (”Du bist doch sowieso dauernd hier, dann kannst Du doch auch ein bißchen auf die anderen aufpassen”), was etwa so hilfreich ist wie einen Alkoholiker aufgrund seiner Sachkenntnis als Barkeeper anzustellen.

Interessant ist, dass viele Omnis urplötzlich die Kurve kriegen bzw. kratzen und auf Nimmerwiedersehen aus dem Chat verschwinden. Genauso extrem wie sie vorher online waren, sind sie plötzlich offline. Vermutlich ist dieses vergleichbar mit dem Phänomen des plötzlich geläuterten Rauchers, der vermutlich niemals in der Lage sein wird, eine einzelne Zigarette danach (nach dem Essen natürlich, was denkt Ihr wieder Ihr Ferkel) zu genießen ohne sofort die ganze Packung durch die Lunge zischen zu wollen. Die Wissenschaft (nun ja, zur Zeit eigentlich nur Dr. Huch, aber der Chaterologie ist ja ein kometenhafter Aufschwung vorhergesagt) spricht hier von der aktiven und der passiven Phase der Omnipräsenz. Wir unterscheiden im Passivzustand den latent Omnipräsenten, bei dem sich aktive und passive Phasen mehr oder weniger regelmäßig abwechseln und den singulär Omnipräsenten, der nach einer ersten aktiven Phase in eine Art Chatstarre (Chatstupor) verfällt und aus dieser in der Regel nicht wieder auftaucht.

Dr. Huchs Bewertung:
Wertfrei. Leichte Formen der Omnipräsenz sind harmlos und bedürfen keiner Therapie, die Prognose bei Härtefällen ist allerdings ungünstig, nur konseqeuenter Flatrateentzug verspricht Heilung oder zumindest Linderung. Selbst die zwangsweise Einweisung in zwei Fäustlinge bewirkt während eines akuten Anfalls (->aktive Phase) lediglich, dass die Schreibgeschwindigkeit des Omnipräsenten geringfüging sinkt, mit der Nase tippt sichs nunmal nicht so wirklich schnell…


Dr. Huchs Chattertypologie Teil 16 – Der Lebenskünstler

22. Juli 2008

Heute: Der “Lebenskünstler”

Das besondere am Lebenskünstler ist, das niemand außer ihm selbst auf die Idee käme, ihn als solchen zu bezeichnen. In der Regel handelt es sich um eine mehr oder minder gescheiterte Existenz, der grad das nötige Kleingeld für eine Nutte fehlt. Stattdessen hofft unser Lebenskünstler im Chat ein wiliges Weib zu finden, bei dem er für Umsonst bekommt, wofür er anderswo zahlen müßte.

Da er nicht von lästigen Broterwerbsaktivitäten am Chatten gehindert wird, ist er in der Regel in seinem Stamm-Channel dauerpräsent und kann sowohl die Früh- als auch die Spätschicht der weiblichen Chatter anschmachten. Kritisch wirds dann beim ersten Daten, wenn die Gefahr besteht, dass zu schnell herauskommt, was wirklich hinter der Fassade des Lebenskünstlers steckt. Zu schnell meint in diesem Zusammenhang: bevor er sie ins Bett gekriegt hat.

Zu längeren Beziehungen kommt es ohnehin in der Regel nicht, da selbst die leidensfähigste Frau schnell erkennt, dass unser Lebenskünstler sich primär für sich selbst interessiert und gern in Selbstmitleid zerfliesst. Schließlich haben sich alle Welt und das Schicksal verschworen, um ihm das Leben schwerzumachen. Profane geregelte Arbeitszeiten verstoßen für ihn gegen die Genfer Konventionen, weswegen er die Ausbeutung durch das Erwerbsleben boykottiert. Die einzige bürgerliche Einrichtung, die er mit einer gewissen Regelmäßigkeit aufsucht, ist das Sozialamt, wo er sich beschwert, dass seinem Grundrecht auf einen Plasmagrossbildfernseher nicht entsprochen wird.

Dr. Huchs Bewertung:
Nur für Null-Nummern geeignet