Dr. Huchs Chattertypologie Teil 13 – Der Vulkan

29. September 2007

Heute: Der Vulkan (weiblich)

Vulkane gehören in die Kategorie der Chat-Naturereignisse. Will sagen: wer einmal einem Ausbruch beigewohnt hat, wird dies mit Sicherheit lange in Erinnerung behalten.

Auf den ersten Blick scheint man einer Prüden begegnet zu sein, die Konversation bewegt sich zwischen Smalltalk „Wie ist denn bei Euch das Wetter?“ und Weltpolitik „Ja, die Wahl vom Bush in Florida war wirklich höchst fragwürdig“. Keine Gelegenheit wird ausgelassen, darauf hinzuweisen, daß man nur an ernsthaften Gesprächen interessiert sei. Auf Schlüpfrigkeiten wird überhaupt nicht reagiert, weder positiv noch negativ und spätestens hier keimt beim erfahrenen Chatter der Verdacht, es vielleicht, aber nur vielleicht, mit einem schlummernden Vulkan zu tun zu haben. Eine echte Prüde reagiert nämlich auf derlei offen ablehnend und droht mit sofortigem Liebesentzug in Tateinheit mit Wandlung zur beleidigten Leberwurst.

Es entspannt sich ein nervenzerfetzendes Belagerungsspiel zwischen Geduld und Geschick des angreifenden Chatters und dem Beharrungsvermögen des (potentiellen) Vulkans. Mit allen Mitteln versucht er, den Vulkan zum Ausbruch zu provozieren. Immer wieder lenkt sie das Thema zurück auf Unverfängliches, ohne jedoch offen ablehnend zu reagieren. Erste Anzeichen von Rissen im Bollwerk können plötzliche Heiterkeitsanfälle bei schmutzigen Witzchen oder erste zaghaften Zeichen von (Selbst-) Ironie sein. Verbale Finten, Scheinangriffe, Ausfälle, das gesamte Repertoire mittelalterlicher Festungsbelagerung und ihrer Gegenmittel wird ausgeschöpft.

Halb zog er sie, halb sank sie nieder, wenn besagter Chatter schließlich (normalerweise nach vielen Wochen oder Monaten) für wert befunden wird, ihr geheimes Ich kennenzulernen, dann gibt es kein Halten mehr. Der Vulkan sprudelt, hat er einmal wirklich Zutrauen gefaßt, förmlich über, jede Schlampe und jede Ausgekochte sieht alt aus gegen das, was plötzlich hervorbricht. Schamlose erotische Fantasien, tiefgründige Gedanken, köstlicher Humor, feinziselierte Ironie, handgedrechselter Zynismus, alles, wovon Otto Normalchatter nur zu träumen wagt und manches, was deutlich darüber hinausgeht taucht aus den unergründlichen Tiefen ihres Charakters auf.

Dr. Huchs Bewertung:
Holy Moly…
Unvergleichlich, aber nur für Nervenstarke zu empfehlen.


Dr. Huchs Chattertypologie Teil 12 – Der Chatvestit

27. September 2007

Heute: Der Chatvestit (männlich, oder sowas gg)

Chatvestiten leben im Schutze der scheinbaren Anonymität eines Chatrooms ihre geheimsten Phantasien aus. So können auch Hans-Jürgen und Ernst-Hermann endlich mal ein Gespräch unter Frauen führen. Im besten Fall sogar miteinander…

Die mühselige und irreversible Geschlechtsumwandlung spart sich der Chatvestit für später auf, erstmal versucht er, auf diese Weise an Frauen heranzukommen und (zumeist) sich daran in irgendeiner Form aufzugeilen. Bekanntlich stehen alle Männer auf lesbische Sexszenen, manche wollen bei diesen halt gern mal mitspielen.

Das Problem besteht allerdings darin, daß jede nicht gerade unter einem Anfall von totaler Unzurechnungsfähigkeit leidende Frau den durchschnittsbegabten Chatvestiten spätestens nach dem zweiten Satz enttarnt. Allerdings nur wenn der erste Satz „Hallo“ war, ansonsten auch schon früher.

Mit erfolgreichen Chatvestiten hingegen ist es wie mit dem perfekten Verbrechen. Keiner weiß hinterher, ob überhaupt eins stattgefunden hat ;-)
Dr. Huchs Bewertung:
Naja, wers mag. Dr. Huch seines Zeichens ist sich gar nicht so sicher, ob er wirklich wissen will, was Frauen so denken, insbesondere über Männer im Allgemeinen und ihn im Besonderen…


Dr. Huchs Chattertypologie Teil 11 – Der Charmeur

24. September 2007

Heute: Der Charmeur (männlich)

Charmeure sind so etwas wie das Gegenstück zum Notgeilen, es eint letztendlich beide das Ziel, möglichst schnell eine Frau ins Bett zu kriegen. Was der eine durch möglichst deutliche Worte zu erreichen sucht, versteckt der andere hinter blumigen Anmachsprüchen.

„Wo warst Du mein ganzes Leben lang?“ oder „Wie kommt es nur, daß Du so wunderschön bist?“ sollen Frauenherzen erweichen und von der romantischen Ader des Charmeurs zeugen. Je mehr Schmalz, desto besser, scheint seine Devise zu sein, selbst vor abgeschmackten Klassikern wie „Hast du Dir weh getan als du vom Himmel gefallen bist?“ scheut er nicht zurück.

Dr. Huchs Bewertung:
Es steht zwar auch hier der endgültige wissenschaftliche Beweis aus, daß derlei Anmache beim weiblichen Geschlecht wirklich auf Gegenliebe stößt. Die Unausrottbarkeit, die Charmeure an den Tag legen, lassen zumindest vermuten, daß es für diesen Pötte irgendwo passende Deckel gibt. Ob dann bei gemeinschaftlicher Erhitzung ein schmackhaftes Gericht herauskommt, vermag Dr. Huch nicht zu beurteilen ;-)


Dr. Huchs Chattertypologie Teil 10 – Der Nickwechsler

23. September 2007

Heute: Der Nickwechsler (männlich/weiblich)

Nickwechsler sind gewissermaßen Einwegchatter, in bestimmten Kreisen auch als Wegwerfchatter eingestuft.

Die perfideste Unterart ist der taktische Nickwechsler, zumeist ein Männchen. Er checkt in Ruhe alle Stammchatter(innen) mit ihren Stärken, Schwächen und Vorlieben ab, merkt sich diese und taucht irgendwann unter neuem Namen wieder auf. Da er den Mikrokosmos ja bereits kennt und weiß, wer auf welches Stichworte wie reagiert, hat er einen Startvorteil. Das Objekt seiner Begierde vermutet eine verwandte Seele, dabei tappt es einfach nur in die gestellte Falle.

Eine harmlose Variante wechselt den Nick, weil irgendein Stalker einfach keine Ruhe gibt und sich mit legalen Mitteln nicht abschütteln läßt. Das ist zwar etwas lästig, falls man selber der Stalker ist, ansonsten aber zu vertreten ;-)

Dr. Huchs Bewertung:
Chatter in den Wechseljahren sind mit Vorsicht zu genießen…


Dr. Huchs Chattertypologie Teil 9 – Das Talent

22. September 2007

Heute: Das Talent (männlich/weiblich)

Talente sind hoffnungsvolle Jungchatter, mit Witz und Selbstironie, mindestens aber mit einer gesunden schmutzigen Phantasie und Grundkenntnissen der deutschen Sprache ausgestattet.

Das typische Talent ist unter 30, wäre aber tödlich beleidigt, wenn man es als Talent bezeichnen würde.
Man erkennt das Talent an der noch nicht vollständig ausgeprägten Hornhaut auf der Chatterseele, d.h. bei zufälliger oder gezielter Bearbeitung persönlicher wunder Punkte bricht noch ab und an echte Emotion durch. Er/sie beherrscht das Chatterhandwerkszeug (gängige Abkürzungen, Sozialverhalten, Begrüßungen usw.), jedoch ist sein/ihr Verhalten noch nicht zu 100% berechenbar, wie dies bei reiferen Chattertypen zumeist der Fall ist.

Meint man zunächst, man hätte es mit einer Ausgekochten (siehe dort) bzw. ihrem männlichen Pendant zu tun, so erkennt man an den oben erwähnten Gefühlsausbrüchen, daß unser Gegenüber noch nicht vollständig trocken hinter den Ohren ist.

Begegnungen mit Talenten können in höchst vergnüglichen Dialogen resultieren, sowohl in öffentlichen wie auch in privaten Chaträumen. Ohne sie wäre die Chatwelt ein armseliges Geschmurgel im eigenen Saft unter Gleichgestrickten.

Dr. Huchs Bewertung:
Nachwuchs necesse est! (wer kein Latein kann – Pech gehabt;-)


Dr. Huchs Chattertypologie Teil 8 – Die Schlampe

22. September 2007

Heute: Die Schlampe

Schlampen lauern auf neue männliche Chatter wie die Spinne Thekla auf den dicken Willi.
Sobald sich ein interessanter, unbekannter Nick zeigt, wird er auf Eignung als Sextoy geprüft.

Je nach Temperament geschieht dies durch direkte Anmache (sie flüstert „Hallo Süßer“) oder indem sich die Schlampe durch mehr oder weniger anzügliche Bemerkungen in öffentlichen Chatroom.

Der unbedarfte Neuchatter denkt sich „Holla, auf die muß ich ja mächtig Eindruck gemacht haben“, fühlt sich gebauchpinselt und ist damit schon zu 95% hereingefallen. Er wird angefixt, indem sie ihn laufend mit Süßholz beraspelt, neckt und provoziert, aus zartem virtuellen Petting wird Cyber-Gerammel oder Telefonsex („ooooooooh fick mich du Hengst“) und genauso schnell wie die Sache begann wird es der Schlampe langweilig und sie sieht sich nach einem neuen Opfer um.

Fortgeschrittenen Schlampen reicht es nicht, virtuelle Opfer zu hinterlassen, sie bedienen sich an der manchmal mehr und manchmal weniger prallen Wirklichkeit. Nach Gebrauch werden die sexuellen Qualitäten des Auserwählten vor einem möglichst breiten Publikum mit anderen Schlampen fachkundig diskutiert. Seine Reputation ist erledigt, entweder wabert er noch ein bißchen als Chatgeist bzw. -zombie herum oder aber er verschwindet gleich im Nirwana. Um die Reputation der Schlampe ist es allerdings auch nicht zum besten bestellt, insbesondere andere Schlampen verbreiten gern Allgemeinplätzchen wie „die steigt ja sowieso gleich mit jedem ins Bett“.

Dr. Huchs Bewertung:
Wer als Mann nicht damit leben kann, auch mal als Spielzeug mißbraucht zu werden, der ist nicht emanzipiert *grins*


Dr. Huchs Chattertypologie Teil 7 – Der Gatte

22. September 2007

Heute: Der Gatte

Diese Spezies tritt oft in Personalunion mit anderen Chattertypen auf. Gern genommen wird z.B. die Kombination mit dem Erfolgreichen oder dem Notgeilen.

Der Gatte weiß, was er (zuhause) hat und sucht in der Regel ein Betätigungsfeld für seine (vermeintlichen) Flirtkünste oder um sein etwas eingerostetes Liebesleben aufzupeppen. Oft in zeitlichem Zusammenhang mit einer ausgewachsenen Midlife-Krise beginnt er, sich in Chaträumen herumzutreiben und mehr oder minder geschickt Frauen anzubaggern, die seinem Beuteschema entsprechen (also mindestens 10 Jahre jünger sind als er bzw. seine Angetraute;-)

Während manche Gatten nach dem Prinzip verfahren „Appetit holen wir uns im Chat, aber gegessen wird zuhause“, sind andere erst zufrieden, wenn sie ihren Aufriss ins Bett gezerrt haben. Oft geschieht die unter Auswürgen schwülstiger Liebes- und Treueschwüre („für Dich würde ich sogar Pamela Anderson verlassen“ oder „bei Dir merke ich erst, das ich noch fühlen kann“) in Tateinheit mit Abfüllung der Zielperson mit geistigen Getränken. Nach vollzogener Untat wechselt der Gatte häufig seinen Nick, wenn nicht gar den Chat…

Mündige Chatterinnen drehen mitunter den Spieß um, greifen sich einen Gatten und entsorgen ihn nach Gebrauch. Er wird schon keinen lautstarken Staatsakt daraus machen, könnte ja die Frau Gemahlin mitkriegen lol

Dr. Huchs Bewertung:
Zumeist harmlos, es sei denn, er tritt in der getarnten Variante auf.
Manch Herzeleid im Chat wäre vermeidbar gewesen, hätte „sie“ rechtzeitig die entscheidende Frage gestellt „Bist du verheiratet und willst es auch bleiben?“.


Dr. Huchs Chattertypologie Teil 6 – Der Notgeile

22. September 2007

Heute: Der Notgeile

Der absolute Liebling der Damenwelt, er kommt sofort zur Sache und hält sich nicht erst mit Vorgeplänkel auf.
Von Selbstüberschätzung triefende Nicks wie „GeilerHengst“, „30cm“ oder „Riesenhammer“ lassen keine Illusionen aufkommen, der Mann meint zu wissen, was Frauen wirklich wollen.

Mit zartfühlenden Eröffnungen wie „Willste ficken“, „Heiße Nummer gefällig“ oder „Bist du rasiert“ eröffnet der Notgeile die Diskussion und was danach kommt, ist auch nicht von schlechten Eltern. Das Kommunikationsniveau genügt für gewöhnlich auch den Ansprüchen einfachster Gemüter. Sofern ausnahmsweise Themen zur Sprache kommen, die nicht unterleibsorientiert sind, so geht es stets um freundliche Aufforderungen zum Oralverkehr oder um Körbchengrößen.

In öffentlichen Chaträumen wird er meist nach dem zweiten bis dritten Satz vom Operator chirurgisch entfernt, falls dieser nicht gerade sein Dienstnickerchen absolviert. Aus zuverlässigen Quellen erfuhr Dr. Huch, daß der Notgeile in verschiedenen Zähigkeitsgraden geliefert wird, vom „Einmalversucher“ bis zum „Dauerbelästiger“, der solange anflüstert, bis die Zielperson entweder die Schotten dichtmacht oder entnervt den Chat verläßt.

Dr. Huchs Bewertung:
Absolut wertlos gg


Dr. Huchs Chattertypologie Teil 5 – Der Erfolgreiche

22. September 2007

Heute: Der Erfolgreiche (von unserer Gastkolumnistin, nennen wir sie Dr. Sechs;-)

Er ist sofort an Nicks wie „unternehmer“, „unternehmensberater“, „anwalt“, manchmal auch „derChef“ zu erkennen.

Nur auserwählte Damen werden in sein Fenster eingeladen. Dort überprüft er zuerst mal mittels Abfrage von Größe, Gewicht und Haarfarbe, ob die Dame auch wirklich seinem Anforderungsprofil entspricht. Fotos gegenüber ist er äußerst misstrauisch, erst nach Zusendung einer höheren Anzahl an Bildern kann er von der „Echtheit“ überzeugt werden. Persönlich Eckdaten bezüglich seiner Person gibt er nur sehr ungern bis gar nicht preis, schließlich könnte sowas „Schmutziges“ wie der Chat seinem Ansehen und seiner Karriere schaden.

Hat die Dame die Bildprüfung erfolgreich bestanden, wird sie von ihm zu einem persönlichem Telefonat eingeladen. Am Telefon präsentiert er sich selbstbewusst, redegewandt und kultiviert. Alles in allem eine Unterhaltung die frau durchaus als angenehm empfinden kann.

Dr. Huchs (gehässige) Bewertung:
Aus Gründen des Jugendschutzes wurde das Experiment nicht weiterverfolgt, wir werden daher nie erfahren, ob dieser freundliche Herr nicht doch vielleicht nur risikolos einen wegstecken wollte ohne sein biederes Ehegattendasein zu gefährden…

Dr. Sechs Bewertung:
Nur für selbstbewusste Frauen, die kein Problem damit haben, dass sein Interesse in erster Linie seinem Job gilt. Davon kann auch seine Ehefrau ein Lied singen.gg


Dr. Huchs Chattertypologie Teil 4 – Die Ausgekochte

22. September 2007

Heute: Die Ausgekochte

Sie ist wirklich nur dem Hartgesottenen zu empfehlen. Ein gerüttelt Maß an Selbstironie, gepaart mit Schlagfertigkeit und Lebenserfahrung.

Looser werden von ihr gnadenlos (und verdient) durch den Kakao gezogen. Ausgekochte treten häufig in Rudeln oder paarweise auf und reiben ihre nichtsahnende männliche Beute genüßlich zwischen sich auf. Erweist man sich ihrer aber als würdig, so wird man mit ausgesprochen unterhaltsamen (und meist grenzwertig ferkelmäßigen) Dialogen belohnt.

Die Ausgekochte läßt sich eigentlich nur mit unerwarteten charmanten Bemerkungen (und dann auch nur zeitweise) mundtot machen. Darauf ist ihre Verteidigung nicht ausgelegt, es kommt daher gelegentlich zu nicht vorhersehbaren Reaktionen.

Dr. Huchs Bewertung:
Zieht Euch warm an, Jungs. This is what separates the men from the boys…