Dr. Huchs Chattertypologie Teil 16 – Der Lebenskünstler

22. Juli 2008

Heute: Der „Lebenskünstler“

Das besondere am Lebenskünstler ist, das niemand außer ihm selbst auf die Idee käme, ihn als solchen zu bezeichnen. In der Regel handelt es sich um eine mehr oder minder gescheiterte Existenz, der grad das nötige Kleingeld für eine Nutte fehlt. Stattdessen hofft unser Lebenskünstler im Chat ein wiliges Weib zu finden, bei dem er für Umsonst bekommt, wofür er anderswo zahlen müßte.

Da er nicht von lästigen Broterwerbsaktivitäten am Chatten gehindert wird, ist er in der Regel in seinem Stamm-Channel dauerpräsent und kann sowohl die Früh- als auch die Spätschicht der weiblichen Chatter anschmachten. Kritisch wirds dann beim ersten Daten, wenn die Gefahr besteht, dass zu schnell herauskommt, was wirklich hinter der Fassade des Lebenskünstlers steckt. Zu schnell meint in diesem Zusammenhang: bevor er sie ins Bett gekriegt hat.

Zu längeren Beziehungen kommt es ohnehin in der Regel nicht, da selbst die leidensfähigste Frau schnell erkennt, dass unser Lebenskünstler sich primär für sich selbst interessiert und gern in Selbstmitleid zerfliesst. Schließlich haben sich alle Welt und das Schicksal verschworen, um ihm das Leben schwerzumachen. Profane geregelte Arbeitszeiten verstoßen für ihn gegen die Genfer Konventionen, weswegen er die Ausbeutung durch das Erwerbsleben boykottiert. Die einzige bürgerliche Einrichtung, die er mit einer gewissen Regelmäßigkeit aufsucht, ist das Sozialamt, wo er sich beschwert, dass seinem Grundrecht auf einen Plasmagrossbildfernseher nicht entsprochen wird.

Dr. Huchs Bewertung:
Nur für Null-Nummern geeignet


Dr. Huch und die Extremtouristen

21. Juli 2008

Mountainbiking im Libanon? Joggen im Jemen? Kletterei auf dem Arafat oder wie dieser Dingsberg heißt? Segeln vor Somalia? Campen in Kolumbien?

Kein Problem, ziehen Sie ruhig los, Ihr bundeseigenes Reisebüro im Kanzleramt boxt Sie da schon wieder raus. Warum meint eigentlich jeder unser notorisch reiselustigen Landsleute, ein Geburtsrecht darauf zu haben, an jedem noch so gefährlichen Ort dieser Welt seinen Urlaub zu verbringen?

Es ist nichts, aber auch gar nichts dagegen zu sagen, abseits ausgetretener Pfade Land und Leute kennenlernen zu wollen. Aber alles hat seine Grenzen, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass man vom Land nur das romantische Versteck der Entführer und von den Leuten nur die vermummten Lösegelderpresser kennenlernt. Dann hält man sich von derartigen Gefilden gefälligst fern. Punkt.

Selbst wenn nicht heimlich Lösegeld gezahlt wird (wovon bei den allermeisten „glücklich“ ausgegangenen Entführungen auszugehen ist), meint Ihr, liebe Touris, dass ein Krisenstab im Außenministerium aus lauter ehrenamtlichen Helfern besteht?

Am meisten Verständnis bringt Dr. Huch noch für die armen Schweine von Angehörigen auf, die verheult im Privatfernsehen präsentiert werden und lauthals wehklagen, dass der Staat viel zuwenig für ihre verschleppten Liebsten tut. Ein Grund mehr, unseren Extremtouristen nach glücklicher Freilassung nicht nur eine fette Rechnung sondern auch noch einen schmerzhaften Tritt in den Hintern zu verpassen.

Nicht nur, dass Dr. Huchs Steuerkröten zum Bau von Autobahnbrücken verwendet werden, bei denen die Planer die zugehörige Autobahn vergessen haben. Jetzt fallen auch noch Subventionen für abenteuerhungrige Weltenbummler an, denen Malle zu öde ist und die am Harz bemängeln, dass die einheimischen Revoluzzer mehr an Mülltrennung als an Umsturz interessiert sind.

I want my money back!


Man kann von großen Fußballturnieren halten, was man will…

28. Juni 2008

…aber Sie bereichern mit Titeln wie „Fieber“ oder „Helden 2008″ den musikalischen Speisezettel.

Nun möchte Dr. Huch hier keine Lanze brechen für mehr oder weniger melodiöses Fangegröle, aber er ist für wirkliche jede Abwechslung im Sülzeinerlei der Popmusik-Charts von Herzen dankbar.

Wo da das Einerlei ist, bei all den vielen aktuellen Stilrichtungen von Hiphop bis Fahrstuhlmucke, das mag der geneigte Leser sich fragen. Wenn man allerdings etwas genauer hinschaut, so erblickt, besser erhört man den Einheitsbrei. Von wenigen, seltenen und löblichen Ausnahmen abgesehen besingt der Barde von heute ausschließlich das Balzverhalten, entweder sein eigenes oder das seiner Mitmenschen.

Nun gehört das Paaren sicherlich zu den Grundbedürfnissen und Lieblingsbeschäftigungen des Säugetiers, aber ist das es wirklich das einzig mögliche Thema, dem man ein Liedlein widmen kann?

Große Liebe, enttäuschte Liebe, verlorene Liebe, Sommerliebe, neue Liebe, alte Liebe, verbotene Liebe, liebliche Liebe…wer denkt sich diesen ganzen schwülstigen Scheiss eigentlich aus? Sicher, manchen Musikkonsumenten steht die Gnade der fehlenden Fremdsprachenkenntnis zur Seite, die die schmerzhafte Enttarnung englischer Liedertexte als Gesülze verhindert. Nicht ohne Grund kann der Autor dieser Zeilen italienischen und französischen Schlagern durchaus etwas abgewinnen, wenn nicht grade allzu häufig „l’amour“ oder „amoooore“ darinnen vorkommt. Aber muß diese Flucht ins sprachliche Exil wirklich sein?

Wo ist das politische Liedgut geblieben? Sitzen alle noch nicht verbürgerlichten Liedermacher in Kreuzberger Eckkneipen und beweinen die anstehenden Verrentung der 86er-Generation? Warum wurde seit „Oh du schö-hö-höner We-he-hesterwald“ und „Warum ist es am Rhein so schön“ keine Landschaft mehr eines Songs gewürdigt? Wieso kann man nicht auch Gefühlen ein Liedchen widmen, die nicht von irgendwelchen Sexualhormonen gesteuert werden? Heimweh, Trauer, Neid, Zorn, Wut, Angst, Verzweiflung? Sind nicht Schönheit, Mut, Tod, Vergänglichkeit seit Jahrtausenden bewährt als Inspiration künstlerischen Schaffens?

Nach dem „griechischen Wein“ und der „Currywurst“ hat niemand mehr kulinarische Kulturgüter lyrisch verewigt, und wann wird endlich wieder einmal ein zünftiger Nippel durch die Lasche gezogen (ja, derart verzweifelt ist der Autor dieser Zeilen bereits)? Sicher, das früher übliche Besingen von kriegerischen Heldentaten ist aus Gründen der political correctness (sowie aus akutem Mangel an Helden) im deutschen Sprachraum nicht wirklich opportun, aber fällt der Musikindustrie wirklich nichts anderes ein als immer nur Gesäusel? Warum werden ergiebige Themen wie die Schönheit der Natur kampflos den Berchtesgadener Piepmatzen und anderen Göttern der Volksmusik überlassen? (Man sehe dem Autor eine gewisse Unkenntnis in Bezug auf diese spezielle Stilrichtung nach)

Dr. Huch fordert hiermit die Produzenten zeitgenössischer Musik energisch auf, ihr lyrisches Themenspektrum zu erweitern! Sonst…ähm…genau…sonst greift er selber zur Gitarre! (Kenner seiner musikalischen Fähigkeiten wissen, dass dies mindestens gegen die UN-Menschrechtscharta, die Genfer Konventionen und die Hager Landkriegsordung verstossen dürfte)


Man fragt sich doch…

11. Mai 2008

…ob es eigentlich in Österreich möglich ist, die nicht-gewerbliche Haltung von Sexsklaven in selbstausgebauten Kellerverliesen steuerlich geltend zu machen.

Oder haben wir es hier einfach nur mit einem Volkssport zu tun, der bisher primär im Geheimen gedieh? Trafen sich vielleicht regelmäßig Zirkel von Sklavenhaltern zum Erfahrungsaustausch in der Kneipe „Zum kühlen Grunde“?

Wieviele unregistrierte Westeuropäer leben wohl unter uns, ohne daß wir es ahnen? Nein, ich rede nicht von illegalen Einwanderern, sondern von der sprichwörtlichen Dunkelziffer an irgendwann mal verschwundenen Personen, die statt wie vermutet irgendwo im Unterholz vor sich hin zu vermodern, in lichtlosen Privatkerkern ihr Dasein fristen. Was taucht als nächstes auf? Eine Großfamilie, die seit mehreren Generationen in einem Reihenhaus als Leibeigene gehalten wird? Ein Lustgreis, der sich im Schrebergarten einen zünftigen Harem hält inklusive Eunuchen? Ein vergessener Ehemann, der seit drei Jahren durch einen IKEA-Markt irrt und nur von Köttbullar lebt? Dr. Huch ist gespannt.


Was soll der Quatsch?

23. März 2008

Wieso dichtet Dr. Huch seine Weisheiten, auf die die Welt nicht gewartet hat, plötzlich auf Englisch?

Ganz einfach, es übt ungemein und man bekommt plötzlich auch Feedback von Leuten, die man sonst nicht erreichen würde. Laßt mir halt meinen kleinen persönlichen Beitrag zur Völkerverständigung…

Außerdem war ichs einfach leid, zwei Blogs gleichzeitig zu vernachlässigen, ich kümmere mich jetzt nur noch um einen kaum und ignoriere den anderen komplett ;-)


The only stereotype that makes my blood boil

23. März 2008

There really is nothing particularly bad about stereotypes, in fact I cultivate a flock of them myself. But there is one that the English speaking world repeats over and over again until over the years (centuries?) it has been accepted as a fact and noone subjects it to critical analysis: Germans are rude and blunt. Dr. Huch disagrees wholeheartedly.

Ok, this is going to be a bit complicated, so lets assume that conversation between two people is always like a duel.

Duelling with someone in the tongue of my fathers (in my case, surprise, surprise, in German) means I have a vast choice of weapons for every occasion. Pistols, rifles, swords, sabers, rapiers, epees, daggers, guns of all calibers imaginable, poison, toothpicks, in short, everything you need for a civilized exchange of words, because you can be sure that your opponent knows the rules. His or her armory might or might not be better stacked than my own but we are more or less on even ground.

Now, all of a sudden there is someone else to deal with. My German language armory which has so well served me over the years will suddenly not help me in the least, because my counterpart normally will know little or nothing about my duelling culture. But, conversation necesse est, so I need to play by foreign rules. I roam my English armory, lots of cobwebs and a club. Nothing very useful for a formidable and eloquent dialog, but it will have to do.

The bitter consequence: My opponent hears me using his language like some stoneage Fred Flintstone, rough, raw and untrained, just barely enough to get the message across. He will see me as uncivilized, blunt, direct, rude…and why? Just because I was polite enough to duel him on his terms, just because he didn’t even bother to put as much as a nail file into his German word armory.

So folks, of course you still have every right to call me rude, but first let me see your skills with the verbal Schwert, Säbel, Degen, Florett oder Pistole…it’s your choice of weapons.


Remember the times…

22. März 2008

…when sex was fun and skydiving was dangerous? Yes, me too.

Nowadays things are a little more complicated, so Dr. Huch, dirty old man that he is, feels the need to set a few things straight.

A funny yet potentially embaressing misunderstanding when planning Anglo-German intercourse („Geschlechtsverkehr“, literally translated „sex traffic“ ;-) ) involves preservatives. Well, normally you would not expect that food chemistry would be a favorable topic in the bedroom – unless you’re dating a chemist maybe. But the German word for condom happens to be „Präservativ“ while preservative translates to „Konservierungsstoff“.

To make things more complicated, a multitude of other names are frequently used for condoms, normally depending on the company your in:

„Kondom“ – you would not have guessed, would you?
„Pariser“ (Parisian) – yes, the French have a certain reputation in these matters
„Gummi“ (rubber)
„Verhüterli“ – contraceptorlet (this highly innovative term is (c) Dr. Huch)
„Lümmeltüte“ – (bugger bag)
„Präser“ – short for „Präservativ“

So, next time you’re in a very intimate mood and someone asks you „Hast Du nen Gummi dabei?“ you are well prepared and will know that he or she is not referring to something made by haribo…

By the way: maybe someone can one day enlighten me as to how „condominiums“ got their strange name…


Am I really the only one who liked Kanzleramt?

9. März 2008

Let’s for once pretend there is more to life than hanging around in chat rooms…

Dr. Huch has been quite busy these days, no time for chatting, just lots of work that kept me in the office for long hours. So this post will be about the only pastime activity I manage to slip into my schedule now and then.

About two years ago German public television channel ZDF started a new series called „Kanzleramt“ (chancellery) which we were told was inspired by the highly acclaimed American TV series „The West Wing“. I found Kanzleramt to be very entertaining, but seem to have been one of very few with such notion. Viewing rates did not satisfy ZDFs management so the series saw no second season.

I started asking myself: If the knock-off was fun, what would the orignal be like? Unlike many other TV series (some of them had better never crossed the Atlantic, we should consider sending Daniel Küblböck over in revenge) The West Wing was never shown in Germany. Too much American politics for German viewers, they said. The more I read the more my curiosity grew, so I decided to invest in an EU-import from Great Britain and ordered a DVD set of all 7 seasons of The West Wing. My English is normally sufficient to cope with „King of Queens“ or even the notorious „Gilmore Girls“, but The West Wing nearly drove tears in my eyes…lots of people talking fast and concurrently, abbreviations in heaps and lots of political stuff I had only ever heard about because I translated some of the corresponding Wikipedia articles into German not too long ago.

Now, as most of my fellow countrymen I despise subtitles, either you are capable of understanding the real thing or you have to go with the dubbed version, but never ever give me annoying lines of text obscuring a third of the screen…

Ahem. After a few episodes I swallowed my pride and switched on English subtitles, which made life a lot easier. Needless to say that subtitles in Swedish and Swahili were available, but not in German, which was fine with me and somehow soothing for my bashed self-esteem.

I learned quite a lot about American politics and the art of making complicated stuff into an entertaining TV series. And I learned why nobody was willing to translate it to German ;-)Donna, hol mir die OMB-Unterlagen für das DNC vom OEOB und schieb das Meeting mit dem NAACP auf morgen- hey, does that sound like fun to you?

Also Leute, wem der amerikanische Vorwahlkampf noch nicht unterhaltsam genug ist und wer Lust auf mehr Intrigantenstadel hat, auf Ebay gibts The West Wing als DVD-Sammlung, viel Unterhaltung für relativ wenig Geld…


“Bring lots of cash, because German stores won’t accept your credit card”

3. März 2008

Plastic money is common in Germany, but debit cards are used more regularly than credit cards.
However, all car rental companies, big brand gas stations, airlines, most hotels and many restaurants will accept all major credit cards.
Since credit card companies charge relatively high commissions (e.g. 3%) from shop owners, your Mastercard/VISA/Amex/Whatever will be more welcome in exclusive retail stores than in the smaller ones or discounts.
Because pricing is higly competitive especially in the food industry (leading to food prices often substantially lower than in the U.S.), most supermarkets will not accept credit cards but only debit cards (Maestro or the like).
Rule of thumb: use cash for amounts below 10 Euros, debit cards for up to 500 Euros (usually this is the maximum guaranteed by bank) and credit cards for over 25 Euros.
Many debit cards nowadays have an integrated money card-chip (”Geldkarte”) which can be loaded with up to 250 Euros and used to by stuff from vending machines (e.g. for railway tickets).


Prude Americans?

23. Februar 2008

Was bei uns keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlockt, das gilt für viele Amerikaner als absolut obszön. Sei es die Nackte auf dem Titelblatt der Illustrierten oder die Sexszene im Nachmittagsprogramm des (erschreckenderweise) frei empfangbaren Fernsehens, sowas ist man dort einfach nicht gewohnt. Oben ohne am Strand? Gemischte Sauna? Undenkbar. Wenn man allerdings bedenkt, daß die US-Pornoindustrie Milliardenumsätze erzielt, so kommt man zu dem Schluß, daß für den Durchschnittsamerikaner Sex einfach nicht in die Öffentlichkeit gehört. Hinter verchlossenen Türen ist dann jede gängige sexuelle Spielart im Angebot. Das ist natürlich irgendwie bigott und ziemlich verlogen.
Aber: Erinnern wir uns, vor 20, 30 Jahren galten (lächerliche) Sendungen wie “tutti frutti” auch bei uns noch als Skandal. Vor 40 Jahren sah man in den Aufklärungsfilmchen von Oswald Kolle den Untergang des Abendlands und vor 50 Jahren schockierte die sekundenlang nackt zu sehende Hildegard Knef in “Die Sünderin” die Öffentlichkeit.

Completely naked women on the cover of a magazine? Topless on the beach? Sex szenes in the free tv afternoon programming? Mixed sauna? Nothing to write home about for us Germans but highly obscene for many Americans. While the thriving multi billion dollar US porn industry caters to every need (although with a certain fixation on silicone tits) of its surprisingly many customers, nakedness and what it might kick off seems to be confined to the bedroom. For the last 50 years the Germans have been exposed to ever increasing doses of sexually explicit content in the media, something that has not happened in the U.S., at least not to the same extent.