Klima, Krise, Kleber

Lassen Sie mich als Vertreter der vorletzten Generation mal versuchen, Ihnen als Spätgeborene zu erklären, warum viele Ältere auf die Sache mit der Klimakatastrophe eher so mit „Wird schon nicht so schlimm kommen, erstmal abwarten“ reagieren. Das muss Ihnen fremdartig erscheinen.

Exakt genauso wie jetzt vor der Erderwärmung mit all ihren Konsequenzen haben uns in den letzten Jahrzehnten die Medien vor anderen Dingen gewarnt. AIDS würde uns ausrotten. Oder der nukleare Winter. Das Ozonloch uns alle braten. Wenn uns nicht vorher der saure Regen auflöst.

Ja. Sex sells. Aber Panik sellt noch besser. Nehmen Sie sich mal die Zeit und die Spiegel-Titelblätter aus den 80ern zur Hand. Ach herrjeh, wer hätte sich in jener Zeit getraut, noch ein Apfelbäumchen zu pflanzen. Oder Kaugummipackungen mit mehr als 10 Stück drin zu kaufen.

Tja. Und die Wissenschaft. Die hat sich leider auch nicht immer mit Ruhm bekleckert und gern ins selbe Horn getrötet. Denn Forschungsmittel gabs auch primär dann, wenn man sich auf einem Gebiet betätigte, bei dem die perspektivische Ausrottung der Menschheit eine Rolle spielte.

Und jetzt steht uns ein Heidenklimaschlamassel bevor UND KEINE SAU GERÄT ANGEMESSEN IN PANIK. Ich verstehe Sie, Frischling. Wirklich. Das ist frustrierend. Aber vielleicht hülfe es, nachzuforschen, woran es eigentlich liegt, dass Ihre Suppe auf dem van Gogh niemanden aufrüttelt.

Und vor allem: Einfach mal auf ein paar Denkfehler der Altvorderen aufmerksam machen. Da wäre zum Beispiel dieser: „Kam ja denn doch nicht alles so schlimm.“ Ja, Digger, WEIL MAN WAS DAGEGEN GETAN HAT. UND ZB FCKW VERBOTEN. Und nicht weil du dir die Eier geschaukelt hast.

Der Mensch hat dummerweise nur eine begrenzte Speicherkapazität für Angstmacher. Und neben der Angst vor dem Atomtod war bei den Alt68ern und den von ihnen geinfluencten Nachkömmlingen leider nur wenig Platz für anderes. Daher verbrennen die jetzt munter Holz in ihren Kaminöfen.

Das ist gemütlich, strahlungsarm, regional und CO2-neutral. AM ARSCH ISSES DAS. Das CO2 ist in den Bäumen wesentlich besser aufgehoben (und noch für Jahrzehnte) als in Jürgen Trittins Räucherstinkeofen. Mit dem gleichen Argument kann man auch Braunkohle abfackeln. Und tut es.

Echt jetzt. Ich trau Atomkraftwerken nur so weit, wie ich nen Betonmischer werfen kann. Aber aus politischen Gründen das modernste Kohlekraftwerk Europas stillzulegen, die alten Stinker weiterlaufen zu lassen und noch paar Dörfer für Braunkohle wegzubaggern, das hat Gschmäckle.

Seit 40 Jahren wusste jeder, der es wissen wollte, dass wir ein Problem kriegen mit der Erderwärmung. Aber weil ständig ne andere Krisensau durchs Dorf getrieben wurde, ist man in die alte Managementfalle getappt. Und hat sich den dringenden, nicht den wichtigen Themen zugewandt.

Glauben Sie mir, Mr. Superkleber, das wäre Ihnen vermutlich exakt genauso passiert. Das ist weder Rechtfertigung noch Entschuldigung sondern einfach eine Tatsachenbeobachtung. Kein Gramm CO2 verpisst sich aus der Atmosphäre, wenn sich Generation Z und Boomer gegenseitig anpöbeln.

Viele von uns haben zeitlebens versucht, diesen ganzen Bums hier so umzukrempeln, dass er uns nicht in paar Jahren um die Ohren fliegt. Einiges hat funktioniert, einiges nicht. Sie haben keine Ahnung, wie dreckig Luft und Wasser in den 70ern waren. Und alle fanden das normal.

Also kommen Sie mir nicht mit pauschalem Gequatsche von wegen „Ihr habt uns alles kaputt gemacht“. Haben wir nicht. Nicht alles jedenfalls. Einiges haben wir auch heile gemacht. Bei sowas krieg ich SO einen Hals und das Bedürfnis, ne Tomatensuppe zurückzuwerfen. IN DER DOSE.

Ach was solls. Ich hab mich zeitlebens an den moralingesäuerten Alt68ern abgearbeitet, die schon lange ihre Mao-Bibel beiseite gelegt haben und jetzt in der Toskana ihre Studienratspension verleben und den lieben Gott nen guten Mann sein lassen. WARUM SOLL IHNEN DAS BESSER GEHEN.

So. Aber jetzt kommt der Clou. Sie müssen Leute, die aus welchen Gründen auch immer nicht an den Klimawandel glauben, gar nicht überzeugen. Das ist im besten Fall anstrengend und im schlechtesten sogar kontraproduktiv, weil es zu einer unnötigen Verhärtung der Fronten führt.

Man kann sich nämlich ohne weiteres darauf einigen, dass die Verbrennung endlicher fossiler Energieträger auf Dauer nicht besonders schlau ist. Eben weil die nämlich a) endlich und b) ziemlich dreckig sind. Und im Dunkeln frierend im Dreck sitzen, das wollen die allerwenigsten.

Ein paar bleiben immer über, die sagen „Nach mir die Sintflut, solange ich lebe gibts genug Benzin“. Die Arschlochquote ist eine Konstante, gegen die machen Sie nix. Aber der Rest? Der will auch keinen Feinstaub oder verölte Strände, weil mal wieder ein Tanker abgesoffen is

Ob Windkraft, Sonne, Erdwärme, Wasserstoff oder so ein Fusionsdingsi, es macht Sinn, saubere und unbegrenzt verfügbare Energie zu haben. Egal ob man an Erderwärmung, Meeresspiegelerhöhung usw. glaubt oder nicht. Auch Überzeugungsenergie ist endlich, setzen Sie Ihre weise ein.

Das heißt jetzt übrigens nicht, dass man überall, wo bestenfalls mal Winde wehen, wenns im örtlichen Wirtshaus Sauerkraut satt gab, ein Windrad aufstellen muss oder da, wo es 250 Tage im Jahr finster wie im Bärenarsch ist, für jedes Dach Solarzellen vorgeschrieben werden.

Ich weiß, Pragmatismus ist nicht so Ihr Ding, Ideologie macht ja auch viel mehr Spaß. Und nichts ist so wohlig pipiwarm wie dieses Gefühl der Selbstgerechtigkeit, weil man sich auf der richtigen Seite wähnt.

Aber hey, was wäre so eine Wüste ohne den einen oder anderen Prediger.

Von Ein- und Greenhörnern

So. Ich hab mal angefangen.

Womit? Meinen Twitter-Einsteiger-Thread zu überarbeiten und in eine auch für Thread-Ungewohnte leicht lesbare Form zu bringen und hier in den Blog rüberzuholen.

Sie wissen schon, um den hier gehts:

Falls jemand also den aktuellen Stand der Überführung angucken möchte, hier der Link zur entsprechenden Seite.

Aber seien Sie gewarnt. Das ganze ist eine einzige !

Feedback und Anregungen für Erweiterungen erbeten.

Zimt

Lassen Sie uns über Zimt reden.

Am dritten Tag, so die uns allen bekannte Schöpfungsgeschichte, schuf der liebe Gott das Grünzeug. Beim Zimtbaum hinterließ er einen kleinen, gelben Klebezettel mit dem Vermerk „Rinde getrocknet und zermahlen nur für Milchreis zu verwenden!“

Leider wurde dieser wichtige Hinweise bei der Niederschrit des Alten Testaments von einem laktoseintoleranten Altaramäer einfach weggelassen. Sollte es Sie jemals in Satans ungastliche Gefilde verschlagen, das ist der arme Tropf der dort auf ewig in einem Kessel Milchreis siedet.

Fortan sündigen die Ahnungslosen unter den Menschen (also praktisch alle außer jetzt halt Ihnen, weil ich hab Sie ja eingeweiht) und verwenden Zimt für widerliche, sakrilegische Zwecke und würzen mit ihm alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Keine Gnade haben diese Sünder zu erwarten. KEINE.

Lediglich beim Franzbrötchen drückt Petrus an der Himmelspforte ein Äuglein zu, denn nichts Sündiges wohnt diesem Gebäck inne. Außerdem verdrückt er Gerüchten zufolge selber gelegentlich gern mal eins. Und kriegt dann prompt Ärger mit dem Chef, weil er wieder mit klebrigen Fingern am goldenen Buch war.

Und kommen Sie mir jetzt nicht mit „Aber in der Bibel steht doch davon gar nix, dass man keine Zimtkaugummis herstellen oder in Verkehr bringen oder hergestellte oder in Verkehr gebrachte Zimtkaugummis konsumieren soll“. Steht vielleicht in der Bibel, dass Schwarzfahren erlaubt ist? Ha? Sehnse.

(zuerst erschienen als Twitter-Thread am 4.3.2020)

Zum Stand der Dinge

Mittlerweile dürfte es jeder und jede mitgekriegt haben, der Sammelband „Alles Bella!“ ist in allen Darreichungsformen (Paperback, eBook) überall erhältlich. Gut, Apple und GooglePlay trödeln wie üblich etwas hinterher, aber auch da sollte es bald zu bekommen sein.

Warum erst der Sammelband und nicht Band 3 „Schau! Bella!“?
Weil a) dies die mehr oder weniger repräsentative Leserbefragung ergab und b) die Nicht-Bella-Geschichten schlichtweg noch nicht soweit sind.
Bella ist ein ziemliches High-Maintenance-Luder, wenn ich das mal so sagen darf, und duldet es nicht, wenn man sich außer ihr noch mit Stories über den Erdbeeranbau in Rungholt beschäftigt.

Insofern stellt sich die aktuelle Situation an der Geschichtenpublikationsfront in etwa wie folgt dar:

Gesammelte Werke.v006

Alles Klärchen?

Es ist ein Sammelband!

Nun ist er also da. Lange angekündigt. Immer wieder verschoben. Der 300-seitige Sammelband mit 100% Bella-Content.Alles Bella Cover.bod.v004.zuschnitt

Fleißige Testleser haben ihm die (hoffentlich letzten) Macken und Tippfehler ausgetrieben, @GywerMelanie hat die geniale Titelgrafik beigesteuert, auf der es diesmal richtig rundgeht und nun ist er käuflich zu erwerben. Als eBook für moderate 6,99 und für drei Euro mehr als Taschenbuchausgabe (ISBN 978-3-751-93319-3).

Näheres zum Inhalt findet sich in der aktualisierten Kapitelübersicht. 35 ziemlich lustige Geschichten, davon 14 bisher unveröffentlicht und der Rest abgestaubt, überarbeitet und ergänzt.

Ich wünsche gutes Amüsemong!

Jetzt geht’s rund im Bellaversum

Er kommt. Unaufhaltsam. Der 300-seitige Sammelband mit 100% Bella-Content.Alles Bella Cover.bod.v004.zuschnitt

Und Sie dürfen hier quasi weltexklusiv schon mal am Cover schnüffeln. Cool, oder? Die geniale Grafik stammt nun schon zum vierten Male aus der Feder der famosen @GywerMelanie, man lobe und preise sie dafür in den höchsten Tönen! Ey. Lauter. Ja. Schon besser.

Eine ISBN hat das Werk übrigens auch schon: 978-3-751-93319-3.

Die nützt Ihnen zwar noch nicht viel, weil es ja nun mal noch nicht herausgekommen ist, aber ich dachte, ich lass das so nebenbei mal fallen. ISBN heißt nämlich „jetzt wirds ernst“, denn die Dinger sind nur für 90 Tage reserviert. Entweder, man kommt bis dahin zu Potte, oder sie ist wieder weg. Futschikato. Gone with the wind.

Und jetzt geht’s zurück in den Korrekturkeller, den Feinheiten der direkten Rede hinterherspüren.

Bericht aus der Wortmetzwerkstatt

Es kreiste der Berg. Und kreiste. Und kreiste. Und gebar…einen Bella-Sammelband.

Er wird als Taschenbuch herauskommen, großformatig, kleinschriftartig und mit ziemlich genau 300 Seiten. Zum Inhalt verweise ich auf die aktualisierte Kapitelübersicht. Sie sehen, es gibt noch mehr, aber das passte beim allerbesten Willen nicht mehr hinein, ohne den Ladenverkaufspreis über 9,99 Euro hinaus zu katapultieren.

Achso. Der Titel. „Alles Bella!“, nach derzeitigem Stand der Dinge.

Als eBook erscheinen wird dann nach alter Tradition der gemischte (3.) Geschichtenband „Schau! Bella!“, der auch die neuesten Döntjes aus Rungholt enthält. Und noch dies. Und vielleicht auch das.

Und wie immer sind einige Teile der Texte im Rahmen der offenen Wortmetzwerkstatt entstanden, d.h. Sie durften mir beim Schreiben (und Tippfehler machen) zusehen.

Aber keine Sorge, der Rest ist unveröffentlichtes Exklusivmaterial. Von dem allerdings keiner weiß, ob es lustig ist. Tjanun. No risk, no fun. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Achso. Hier das Ganze nochmal visualisiert. Der Zeitgeist macht schließlich auch vor mir nicht halt:

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Und wann das alles? Bald.

Ich äh muss weg.

Ode an den Neubürger

In meinen Rasenmäher ist eine Mausfamilie eingezogen. In einem Neubaugebiet wäre ich vermutlich mittlerweile von einer Horde pathologischer Vorgartenkurzhalter, Grobkieselschichtler und Steinplattenleger gesteinigt worden. Falls die mich im hohen Gras finden würden.

Lieber Stadtmensch, der du erwägst, dich als Neubürger zu uns Landeiern zu gesellen, von wegen Häuschen im Grünen und gesundes Umfeld für die Kindlein und so, nimm meinen gutgemeinten Rat an und denk zweimal drüber nach. Und wenn du damit fertig bist dann noch zweimal.

Überleg dir, was du alles aufgibst. Schnelles Internet. Handy-Empfang sogar auf dem Klo. Zweistellige Mindestbestellwerte beim Pizza-Lieferdienst. Mandelmilch von glücklichen Mandeln. Leih-Elektroscooter. Zwölf fußläufig erreichbare Tattoostudios. Und ein Hautarzt um die Ecke.

Und hast du mal an deine armen Kinder gedacht, du Egoist? Wie sollen die denn hier den fachgerechten Umgang mit dem Springmesser lernen? Oder wie man gekonnt mit dem Straßendealer feilscht? Wie man fair gehandelte Chiasamen am Geschmack erkennt? Na? Nagt der Zweifel schon? Gut.

Bleib doch lieber, wo du dich mit Deinesgleichen beim Spieleabend in der Altbauwohnung über die renitente Landbevölkerung echauffieren kannst, die auf ihr Auto partout nicht verzichten will. Du winkst deinen Gästen hinterher, bis sie gegenüber im Eingang zur U-Bahn verschwinden.

Nein, lieber Freund, du gehörst hier nicht her. Es wimmelt von Allergenen, es riecht nach Kuhdung, krähende Hähne und balzende Schleiereulen rauben dir deinen Schönheitsschlaf, wie deine Fitnessarmbanduhr gnadenlos dokumentiert. Willst du wirklich auf deine REM-Phase verzichten?

Na also. Ich merke doch, wie du langsam mürbe wirst. Hier, nimm ein Schluck vom Weizengras-Smoothie. Superfood ist so wichtig für deinen Körper. Und was würde dein Yoga-Meister sagen, wenn du plötzlich nicht mehr kämst, weil der dreibeinige Hund auf deine Yogamatte gepinkelt hat?

Ja. Natürlich brauchst du einen Hund. Das ist hier Vorschrift. Hast du denn die Happy-Family-Klausel in der Neubaugebietssatzung nicht gesehen? Zwei Kinder und ein Golden Retriever sind Pflicht. Das steht etwa da, wo auch geregelt ist, dass du einen Kirschlorbeer pflanzen musst.

So. Und wenn dein Kreislauf sich etwas stabilisiert hat, dann gehen wie gemeinsam einen schönen Minivan kaufen. Dein Mojo kannst du beim Händler in Zahlung geben, das brauchst du nicht mehr. Und dann melden wir die Kinder an. Geigenunterricht. Schwimmen. Ballett. Judo. Turnen.

Doch, das gibt’s hier alles. Nur halt nicht alles im selben Dorf. Weswegen es einen Fahrdienst zu organisieren gilt. Sprich, zu deinen eigenen Rotzlöffeln hast du noch Verantwortung für eine Horde fremder Gören. Nimm lieber die abwischbaren Polster. Bist du haftpflichtversichert?

Aber jetzt kommen wir zum angenehmen Teil. Den dreieinhalb Stunden, die du jeden Tag für dich ganz alleine hast. Wenn du nämlich auf die Weg zur Arbeit mit Tausenden anderen im Stau stehst. Nach wenigen Monaten kennst du alle Hörbuch-Bestseller und sprichst vier Fremdsprachen.

Es heißt natürlich „auf dem Weg“, aber für Feinheiten wie bestimmte Artikel hast du schon lange keinen Sinn mehr. Ich kenne diesen gehetzten Blick, der über die Kontakte auf deinem Smartphone wandert. Wo ist die Nummer vom Makler? Vom Notar? Ist vielleicht noch etwas zu retten?

Doch wie Faust, der einst seine Seele für ein wenig Glückseligkeit vertickte, hast du schon deine Zukunft für ein Immobiliendarlehen hingegeben. Der Zins, so günstig, nie wieder käme man so billig zu Wohneigentum. Jetzt hieß es zuschlagen, konnten diese treuen Makleraugen trügen?

Wertsteigerung! 30 Jahre abgesicherter Niedrigzins! Fast keine Darlehensgebühren! Das Grundstück voll erschlossen. Also, bis auf Gas. Und Wasser. Und Zuwegung. Aber Strom, Strom ist da. Denn du hast ja Solar auf dem Dach. Infrastruktur wird sowieso überbewertet. Landleben eben.

Gut, ein wenig blass warst du um die Nase, als dir klar wurde, dass die nächsten zehn Jahre nur Urlaub in der Uckermark drin wäre, mit Onkel Herberts Wohnwagen. Aber hey, kaum bist du 67 ist das Darlehen zur Hälfte abbezahlt und die Sparkasse kratzt das rote S vom Schornstein.

 

Unsägliche Säger

Befragt man Menschen auf der Straße, was sie von Zweiklassen-Medizin halten, so ist die Antwort eigentlich immer und übereinstimmend „Gar nix“. Auch Ich hätte ohne Zögern so geantwortet. Bis zu jener schicksalhaften Begegnung, die meine Sicht auf das Gesundheitswesen veränderte.

Ich höre Sie schon schnauben. Da fordert einer Zweiklassen-Medizin? Zügeln Sie Ihre Empörung noch, bis Sie erfahren, welche zwei Klassen ich hierbei im Auge habe. Dazu muss ich ein wenig ausholen und Sie mit einem besonderen Menschenschlag bekannt machen, dem Harten Schnarcher™.

Sollte es Sie nämlich, aus welchen Gründen auch immer, in die Fänge unseres Gesundheitssystems und zeitgleich in ein Zweibettzimmer verschlagen, so stehen die Chancen nicht schlecht, auf einen Angehörigen dieser Bevölkerungsgruppe zu treffen.

Harte Schnarcher™ durchlaufen, wenn Sie mir diesen kurzen Ausflug gestatten, wie etwa Trauernde auch, fünf Phasen.

  1. Verleugnung „Ich schnarche nicht. Niemand in meiner Familie schnarcht. Ich schlafe wunderbar, das ginge ja wohl nicht, wenn ich mich immer schnarchen hörte. Hast du Beweise? Tonaufnahmen? Nein? Ha!“
  2. Wut „Ey! Ich kann doch nix dafür, ICH BIN HIER DAS OPFER. Also jammer nicht dauernd rum wegen dem bisschen laut Atmen.“
  3. Verhandeln „Wir können uns doch einigen. Montag bis Samstag schläfst du auf dem Sofa und Sonntag ich.“
  4. Depression „Alle sind immer so gemein zu mir. Wegen dem bisschen Schlafmangel. Das wird TOTAL überbewertet.“
  5. Akzeptanz „Naja, sehen wir das positiv. Immerhin kann einer von uns beiden problemlos durchschlafen. Nachti!“

Böse Zungen behaupten gar, der Harte Schnarcher™ sei außerhalb von Gemeinschaftsschlafsälen überhaupt nicht überlebensfähig und käme daher in freier Wildbahn so gut wie nicht vor. Ich habe mittlerweile jedoch glaubwürdige Berichte zusammengetragen, die das Gegenteil bezeugen.

Nun ist der Harte Schnarcher™ tagsüber häufig ein durchaus angenehmer und jovialer Zeitgenosse und für den Ahnungslosen nicht einfach zu erkennen. Ich kann hier nur dazu raten, Erzählungen von neuen Bettnachbarn aufmerksamst zu lauschen. Bevor es zu spät ist.

Berichtet er vielleicht beiläufig, dass seine Gattin seit 20 Jahren nur noch auf der Wohnzimmercouch nächtigt? Haust er, von seiner Familie verstoßen, in einer einsamen Almhütte fernab jeglicher Zivilisation? In einer Gegend, die für ihre nächtlichen Lawinenabgänge bekannt ist?

Sie haben das finstere Geheimnis Ihres Zimmergenossen nicht rechtzeitig aufgedeckt? Dann ist es nun zu spät. Pünktlich nach dem heute journal wirft ihr Nachbar sein Schlafmittelchen ein, sagt „Gute Nacht“ und wirft sich in Morpheus‘ willige Arme.

Sie hatten sich zugegebenermaßen ein wenig gewundert, als die nette Krankenschwester bei der Austeilung der Einschlafhilfen zu ihm sagte „Oha. Mein Vater ist Tierpfleger bei Hagenbeck. Die benutzen sowas um Wasserbüffel einzuschläfern. Aber wenn Ihr Doc das so verordnet hat…“

Nachdenklich blicken Sie auf den halben Baldrian-Drops, den man Ihnen zugeteilt hat. Der Glaube an den Placebo-Effekt scheint stark zu sein in diesem Krankenhaus. Whatever, Sie haben eigentlich nie Probleme einzuschlafen. Das würde schonGGGGGGGNNNNNNNNNNOOOOOOOOORGGZZZCHCHCHRRRRR

Oh mein Gott. Was war das. Sie sitzen kerzengerade im Bett. War vielleicht der Rettungshubschrauber auf dem Dack abgestürzt und sein amoklaufender Rotor fraß sich gerade durch Chirurgie und Orthopädie bis zur Cafeteria einmal quer durchs Klinikgebäude? Stand eine Evakuiierung an?

Was nur Eingeweihte wissen: Die Einnahme schlaffördernder Mittel (rezeptfrei hopfenbasiert oder verschreibungspflichtig) macht zuverlässig auch aus dem vergleichsweise harmlosen Schnarcher™ einen Harten Schnarcher™.

Während Ihr Bettnachbar bereits sorgfältig das erste mittelgroße Birkenwäldchen verarbeitet hat, klammern sie sich an die Hoffnung, dass vielleicht bald eine Lageänderung anstünde und das Schnarchen dadurch weniger würde. Freie Atemwege und so. Sein Gaumensegel vibriert weiter.

Die Schrecken der Nacht, die folgt, können wir hier aus Jugendschutzgründen nur andeuten. Springen wir daher zum nächsten Morgen. Oberschwester Elke betritt das Zimmer. „Guten Morgen die Herren, haben wir gut geschlafen?“. Plötzlich hat sie keinen Kopf mehr.

Ihr Bettnachbar schweigt auffällig. Möglicherweise hat Ihr dezenter Hinweis, dass er dem Tod durch Ersticken mittels einen Krankenhauskopfkissens nur denkbar knapp entronnen ist, damit etwas zu tun. Nur einem fehlenden Alibi hatte er sein überraschende Überleben zu verdanken.

Etwas später. Sie liegen auf dem Operationstisch. Der Anästhesist blickt in ihre glasigen, leeren Augen und sagt „Ihr braucht mich gar nicht, der kriegt eh nix mit.“ Sie nutzen die Gunst des Augenblicks, greifen ein bereitgelegtes Skalpell und nehmen die OP-Schwester als Geisel.

Sie lassen Sie nur unter der Bedingung laufen, dass man Ihnen schriftlich versichert, Sie unter keinen Umständen nach der OP wieder mit einem Harten Schnarcher™ zusammenzulegen. Der von der Kripo geschickte Verhandlungsspezialist bricht weinend zusammen, als er Ihre Story hört.

Vor dem Krankenhaus hat sich eine spontane Solidaritätskundgebung gebildet. Tausende feiern Sie als den ersten, der es wagt, sich aufzulehnen gegen die Tyrannei der nächtlichen Akustikterroristen und ihrer zuckenden Zäpfchen, die jeden Luftstrom zur tödlichen Waffe werden lassen.

Und die Moral von der Geschicht? Fragte man Sie erneut, ob Sie für eine Zweiklassenmedizin wären, so würden Sie antworten: „Natürlich. Harte Schnarcher werden in Krankenhauskellern mit ihresgleichen untergebracht UND DA KÖNNEN SIE DANN SPASS HABEN MITEINANDER DIE GANZE NACHT.“

Meine Twitter-Threads (aktualisiert 01.07.)

Hier jeweils die Einstiegs-Tweets für einige meiner Threads, eigentlich als Hilfsmittel für mich selber gedacht, damit ich den Überblick nicht verliere. Aber wenn Sie auch was damit anfangen können-bitte sehr. Klicken Sie einfach auf das jeweilige Tweet-Datum und Sie gelangen zum Rest des Threads.

Threads, an denen weitergedichtet wurde, sind knallgrün markiert.

Unser täglich Aufregerchen gib uns heute

Bulette oder Tricatelle?

Saturday Night Fever

Toxische Maskulinität

Hitzige Konferenzen

Vor Frostablauf lesen!

Drama, Liebe, Wahnsinn.

Tagliatelle mit Wechselstrom.

Machen Sie sich keine Vorwürfe. Machen Sie sich Pommes.

Bin Laden. Der Soli. Und Margot.

Warum sich schwedisch Wikinger gen Osten orientierten.

Habe nun, ach, Juristerei…

Achtung. Das ist keine Ente.

Advent? Advent!

Ferkehrspolitischer Freitag!

Elefantöse Erwerbslose

Alte weiße Männer und alte weiße Vögel

Frauen. Quoten. Pimmel.

Eine Menge Leere

Rosa oder hellblau?

Twittern wie du und sonstwer

Kennen Sie Tomas?

Hat Ihnen heute schon jemand Twitter erklärt?

Betroffenheit kann man lernen!

Zeitreise

Waltershof und Walters Schädel

Burgermeisterei

Der kleine Buchmacher

Haustierprojekte

Aller Laster Anfang

Der Trend geht zum Ganzjahrestroll.

Kennen Sie Tomas?

Die Pilzsaison naht.

Kleiner Plauschangriff.
Oder: Wie Bella! begann.

Fishing im Trüben.

Seefahrt ist Not

Wer den Wal hat…

Das ist nur Recht und Billy.

Männerwirtschaft.

Arbeit dehnt sich aus. Altes physikalisches Gesetz.

Sofortbildung.

Mobby Dick. WAAAAAL DA BLÄST ER!

Sherlock Heinrichs und das Geheimnis der Milchkuh.

Hello, Trolly. This is Hein, Trolly.

Ob Sie mir wohl einen Letronax leihen könnten?

Natürlich kann ich auch Emo. Ich kann es nur nicht so zeigen.

Jetzt ist hier aber Achterbahn!

Es grünt so grün.

Startup!

Air Berlin. Mittlerweile Geschichte.

Sind die Denker noch ganz dicht?

Kommen Sie noch mit in die Wirtschaft?

Männer. Frauen. Und Dingshier. Arschlöcher.

Wohnung tut Not.

Professionelles Revolutionsmanagement

Teer- und Federvieh

Stille Tage in Rungholt

Der Radler ist gelandet.

Einzelhandel. Einzelkinder.

Öffentlicher Nahverkehr

Männer und Wurst

See you later, Grokodil (Tagespolitik. Kräht bald kein Hahn mehr nach.)

Achtung. Verteidigungspolitik. Ekliges Thema.

Heinrich, der Stadtplaner

Telefon. Konferenz. Wahnsinn.

Alle Jahre wieder

Europa. Demokratie. Und Gedöns.

Heini und die Telekom. Eine Beziehung voller Missverständnisse.

Warentrenner.