Hein von heute, über neumodschn Tünkrom und andere Tücken

22. Februar 2016

Lot mi tofreen aal tosomen.

Lasst mich alle in Ruhe

Komm Jung, nu lass ma n Kopp nich hängn. Een, twee Grog un de Welt seht wedder ganz anners ut.

Komm Junge, jetzt lass den Kopf nicht hängen. Ein, zwei Grog und die Welt sieht gleich ganz anders aus.

Ik wet dat noch good, as de ersten von düsse Konteiners in Haven intrudelt sün. Neumodschn Tünkrom heb wie secht. Tscha. Kanns nich ännern.

Ich weiß noch genau wie die ersten von diesen Containern im Hafen angekommen sind. Neumodisches Zeug haben wir dazu gesagt. Naja. Kann man nicht ändern.

Aver scheun bunt is dat nu in Haven, nich mehr aans so griesgrimmelig. Büschen as wenn de leve Gott mit düss Legotüüch speelt hett.

Aber schön bunt ist es jetzt im Hafen, nicht mehr alles so grau. Bisschen als wenn der liebe Gott mit Legozeugs gespielt hätte.

Kanns ja nich sehn vun buten watt in sonne Blechbüchse drin is. Domaals has ja jümmers wusst, so, dat sün Bananens und dat is Stückgut un so

Man kann ja von außen nicht erkennen, was in so einer Blechkiste drin ist. Damals hat man ja immer gewusst, da kommen Bananen und da Stückgut und so weiter.

Son Konteinerfrachter dat ischa büschn, as wenn du midde Schrankwand übern Atlantik segels. Maschinschaden oder Ruder wech un dat wers wen.
So ein Containerschiff, das ist ja ein bisschen, als würde man eine Schrankwand über den Atlantaik segeln. Maschinenschaden oder Ruderausfall und schon ist man geliefert.

Un aal düssen Stretch hüüt. Nee. Dat wer scha früher aans kommoder wen bi de christliche Seefaat. Sechmol, is dat Grogwoter noch nich heet?

Und all dieser Stress heute. Nein, das war früher alles gemütlicher bei der christlichen Seefahrt. Sagmal, ist das Grogwass noch nicht heiß?


Neues von Hein

18. Februar 2016

Hein wird südlich von Uelzen nur von einer kleinen Schar Aufrechter verstanden. Er hat sich daher entschlossen, unter @SeemannHein seine Döntjes unters Volk zu bringen.

Hier nun wieder einige Erläuterungen für Nicht-Hamburger.

Dusend Düvel. Nu is mi de olle Rumbuddel runnerdonnert und ik heb nur noch twee dor. Un ers Montach wullt ich nache Pro hin, wegn Nachschub.

Tausend Teufel. Nun ist mir die doofe Rumflasche heruntergefallen und ich habe nur noch zwei auf Lager. Und eigentlich wollte ich erst am Montag zum Einkaufen in die Pro [Ehemalige sehr verbreitete Hamburger Supermarktkette]

Un de ganze Bude stinkt as wie bi de Kömnasen tohus. Son Schiet nu aver ok. Himmel, Arsch un Nähmaterial.

Und die ganze Wohnung stinkt, als würden hier Alkoholsüchtige wohnen. So ein *piiiiiep* aber auch. Himmel, *piiiiiep* und Nähmaterial.

Jau. Bratkartüffelverhältnis heb wi dor to secht. So wie ik midde Gertraud. De hett Ihr scheune Beamtenpension verlorn, hett ik de heiroden.

Ja, „Bratkartoffelverhältnis“ wurde das genannt. So wie ich mit Gertraud. Die hätte ihre schöne Beamtenpension verloren, wenn sie mich geheiratet hätte.


Hein, de Kaptein

15. Februar 2016

Hein wohnt mit seinen Kumpels im Seemannsheim, einem Altenstift für ehemalige Seefahrer.

Da seine Erzählungen nicht nur vom Grog, sondern auch von seinem niederdeutschen Zungenschlag geprägt sind, hier einige Erläuterungen für Landratten.

Hein spricht kein reines Plattdeutsch, das sowieso in jedem Dorf etwas anders klingt, sondern Missingsch. Eine auch heute noch nicht völlig ausgestorbene Hamburger Mischform aus Hoch- und Niederdeutsch.

„Ik bin beten sentimentaal hüüt, geit ok wedder vorbi. De ollen Klammoddens de moken een jümmers brägenklöterig.

„Ich bin heute ein wenig sentimental, das geht auch wieder vorbei. Die alten Klamotten machen mich immer ein wenig durcheinander“

„April fiefundveertig as de Schiet schon binoh vorbi wor, da is min Walter denn gefalln. Bi de Polen liegt he nu.“

„April 1945, als die Scheiße schon fast vorüber war, da ist mein Walter gefallen. In Polen liegt er nun [begraben].“

„Nee, lass ma Jung, is good, is lang vorbi de Tied. Un de Ella hätt dat sowieso nich överlebt mit unsern Walter.“

„Nein, geht schon, mein Junge, die Zeit ist lange vorbei. Und die Ella [Heins Frau] hätte das mit unserem Walter [Heins Sohn] sowieso nicht überlebt.“

„Nichn kleen Finger has finden können zun Beerdign. Un ik wor bin Atlantikwall. Het nur nix nützt gegn de Bommer.“

„Nicht einmal einen kleinen Finger hat man [von ihr] finden und beerdigen können. Und ich war am Atlantikwal. Der war aber gegen die Bomber nutzlos.“

„Min Ella ischa nochma rop in veerten Stock as schon Fleegeralaam wor. Sparbökers holn. Un denn de Luftmin dorin“

„Meine Ella ist ja noch mal rauf in den vierten Stock, als schon Fliegeralarm gegeben war. Die Sparbücher holen. Und dann hat eine Luftmine das Haus getroffen.“

 


Die wahre Geschichte des Earl Grey

15. September 2015

Als Teetrinker kennen Sie das. Man bietet Ihnen eine Tasse Schwarzen Tee an. Dankend nehmen Sie an und freuen sich, in zivilisierten Breiten zu leben. Das Heißgetränk wird serviert, Sie nehmen einen Schluck. Und plötzlich ist Ihr Gastgeber nass, denn in der Tasse befand sich (hier Bekreuzigungsgeste einfügen) EARL GREY Teaa. Und Sie sind einen weiteren Freund los.

Das muss nicht sein. Beugen Sie vor und helfen Sie, Teeunwissende über die traurige Geschichte des Earl Grey aufzuklären.

Als anno 1066 die Normannen in England einfielen, wurde auch die Burg von Mortimer, dem dritten oder vierten Earl Grey (so genau nahm man das damals noch nicht) belagert.

Als nach einigen Wochen die Vorräte zuende gingen, besann sich der Burgherr eines Vorrats an Bergamottöl, den sein grenzdebiler Proviantmeister sich von einem schlitzohrigen fahrenden Händler hatte aufschwatzen lassen. Die Bergamotte ist eine völlig überflüssige Spielart der Zitrusfrüchte, deren einziger nachgewiesener Nutzen in der Abwehr von Exemplaren einer besonders geruchssensiblen südwalisischen Stechmückenart besteht. Selbige ist allerdings bereits kurz vor dem Mammut als „ausgestorben“ deklariert worden.

Der perfide Earl befahl nun also, die normannischen Belagerer von den Zinnen aus mit siedendem Bergamottöl zu überschütten, da die Pechvorräte aufgebraucht waren. Höchstselbst beaufsichtigte er den Erhitzungsvorgang, eine Tasse Belagerungstee in der Hand. Belagerungstee ist, wie der Name schon sagt, ein Getränk, dass in bitterer Not aus zusammengefegten Schwarzpulverresten, Mäusekot und abgeschnittenen Fußnägeln ungewaschener Landsknechte bereitet wird.

Ein vom Hunger geschwächter Fußsoldat namens Balduin schleppte nun einen nach Tod und Pestilenz stinkenden Kessel heißen Bergamottöls herbei, stolperte auf dem unebenen Boden und übergoß alle Anwesenden mit einem Schwall dieser frühen Massenvernichtungswaffe. Ausnahmslos alle Betroffenen stürzten sich daraufhin verzweifelt von den Zinnen, bis auf einen. Mortimer, der Earl selber. In stoischer Ruhe nahm er einen Schluck des nun um Bergamottöl angereicherten Belagerungstees, sagte „Splendid, isn’t it?“ und warf einen verächtlichen Blick auf die im Burggraben liegenden zerschmetterten Leichen seiner Soldaten.

Was niemand ahnen konnte: Hinter den normannischen Linien war zeitgleich das Croissant erfunden worden, die feindlichen Kräfte aus Frankreich hatten daher besseres zu tun, als den heruntergekommenen Schuppen des Earl Grey einzunehmen und zogen sich zurück.

Wie es mit Legenden nun mal so ist, es bildete sich blitzschnell eine, die einen Zusammenhang zwischen dem Earl Grey Tee und dem Rückzug der Belagerer herstellte. Selten erwähnt wird allerdings, dass Mortimer wenige Tage nach Genuss des Gebräus an einem spontanen Magengeschwürsdurchbruch verstarb.


Geburtswehleidigkeit, die

3. August 2015

Wenn man denkt, so, das Werk hat fast die geplante Seitenzahl erreicht.

  • Und die Handlungsstränge sich vermehren.
  • Und die psychologischen Profile der Charaktäre komplexer werden.
  • Und Nebenfiguren einfach zu sympathisch/böse/witzig/interessant sind, um sie Nebenfiguren bleiben zu lassen
  • Und man überlegt, am besten doch gleich eine Trilogie herauszubringen, gegen die Krieg und Frieden wie ein Reclamheft wirkt.
  • Und man beim Korrekturlesen ganze Kapitel in Frage stellt und komplett überarbeiten möchte.

Und…und…und

Dann, ja dann hat man die Phase der Geburtswehleidigkeit erreicht. Das Zeugs drängt raus ans Licht. Erste Kapitel wurden vertrauenswürdigen Personen zur Prüfung überlassen. Er- und entmutigende Kommentare halten sich die Waage.

Achso, Sie haben keine Ahnung wovon der Depp da schon wieder faselt? Entschuldigung.

Viel schreiben musste Dr. Huch ja schon immer, meistens ernstes, langweiliges, technisches oder juristisches oder politisches Zeugs. Zur Auflockerung gönnte er sich mal ein Essay hier, ein erotisches Geschichtlein dort, den einen oder anderen Blogeintrag (ja, das war alles vor Twitter, seitdem kommt er zu garnix mehr). Und es reifte der Entschluss, sofern die Zeit es zulässt, mal was nur so aus reinem Spaß an der Freud zu schreiben. Ohne Hintergedanken. Ohne Nobelpreisambitionen. Was Unterhaltsames halt. Für sich selbst. Und ein paar enge Freunde vielleicht. Man will sich ja auf keinen Fall in diesen Kreis der Möchtegernautoren aufnehmen lassen, die jahrelang im Keller prokeln und stolz mit einem vermeintlichen Bestseller beim Lektor oder Agenten aufschlagen um dann komplett desillusioniert in ein schwarzes Loch zu fallen.

Seit ziemlich langer Zeit nun gärt und durchsäuert das Werk vor sich hin, mal intensiv vorangetrieben, mal monatelang komplett ignoriert. Die ideale Mischung sollte es werden, aus Spannung, Humor, Sex, Autobiografischem usw. usf. Ehrlich, keine Ahnung, ob es diesem Anspruch auch nur annähernd genügt. Langer Rede kurzer Sinn, ein Entschluss ward gefasst. Die Entbindung erfolgt auf Raten, denn eins steht nun fest:

ES WIRD EIN FORTSETZUNGSROMAN!

Ja. Ein total vernachlässigten Genre, das mich aber zwingt, endlich mal Kapitel zu finalisieren. Was veröffentlich ist, das gilt und weitere Kapitel müssen gefälligst darauf Rücksicht nehmen. Ich bin SO hart gegen mich selbst.

Demnächst mehr dazu, ich hecke gerade eine hundsgemeine anfixende Veröffentlichungsstrategie aus. Oder ich lass es doch und schließ mich weinend in meinem Turm ein. Mal sehen.


Wenn Sie dann bitte mal kurz innehalten würden, liebe Welt?

9. Juli 2015

Es passiert grade wieder so viel Zeugs, zu dem ich ne Meinung hab, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll mit der Bloggerei.

Da wäre die Griechenlandkrise, ein Dauerbrenner wo jetzt mal wieder die wirklich ganz sicher allerallerletzte Frist abzulaufen droht. Eigentlich ist alles gesagt, jedes Argument vorgebracht, jedes Vorurteil und Klischee bemüht. Und das galt schon 2010.

Oder die „Ehe für Alle“, bei der man sich auch nicht einfach nur darauf zurückziehen kann, dass es einem wirklich egal ist, ob jemand Männlein, Weiblein oder seine Topfpflanze heiratet.

Die Bundesjugendspiele werden derzeit heftigst diskutiert, und der Schulsport gleich mit. Mal ehrlich, wollen wir den Sportskanonen wirklich das einzige Instrument zur Demütigung hochbegabter Klassenkameraden nehmen?

Streiks. Streiks überall. Lokführer. Piloten. Erzieher. Pflegepersonal. Ach, da könnte man so schön überall seinen Senf dazugeben.

Die Energiewende. Keiner will Atomstrom. Deswegen brauchen wir Leitungen, um den guten sauberen netten Windstrom aus dem unterentwickelten Norden in den industrialisierten Süden zu verfrachten. Durchs schöne Bayern soll er allerdings am besten per Ponyexpress oder Eimerkette befördert werden. Wegen der Landschaft. Und der Wählerschaft. Prächtig wäre der Seehofer (aka crazy horst) durch den Kakao zu ziehen.

Rentengeschenke fürs ergraute Stimmvieh, die die Jungen ausbaden müssen. Autobahnmaut. Vorratsdatenspeicherung. Börsencrash in China. Vorwahlen in USA. Und. Und. Und.

LEUTE, ich schaff das nicht alles. Halt doch mal einer kurz die Welt an, damit ich hinterherkomme. Bitte. Nur kurz.


„Sarkasmus“ ist in dieser Welt nicht verfügbar

9. März 2015

Da ich heute (erstaunlich genug) ein bisschen Zeit übrig habe, darf ich den geneigten Lesern teilhaben lassen an meiner kleinen, aber herzlichen Fehde mit den Moderatoren der Artikelkommentare bei Welt online.

Eines schönen Montags (heute) stolperte ich über diesen Artikel. Es geht darum, dass die Autorin lesbisch ist und demnächst zu heiraten gedenkt. Ja. That’s about it. Sie hat damit offensichtlich so ihre Probleme (sonst würde sie diesen Artikel wohl nicht geschrieben haben) und betitelte ihn deswegen „Warum es eine Provokation ist, eine Frau zu lieben“. Ich ging also tief in mich, stellte fest, dass mich leider nichts aber auch rein garnix daran zu provozieren vermochte und schrieb daraufhin folgenden Kommentar:

Man fragt sich ja immer ein bisschen, wie solche Artikel entstehen.
„Chef, mir fällt nix ein. Und los ist auch nix. Nichtmal ein Sack Reis ist in China umgefallen.“
„Schreiben Sie doch was über sich. Was persönliches. Sie wissen schon, große Gefühle und so. Und Gesellschaftskritik. Aber nicht zu viel.“
„Guter Plan“
„Und dann machen wir noch n Foto. Irgendwas verspielt-sinnlich-verträumtes.“
„Cool“
„So kriegen wir sie alle. Die Toleranten. Die Homophoben. Die Feministinnen. Die Spanner. Hm. Haben Sie ne Katze?“
„Nein.Wieso?“
„Nur so ne Idee. Katzen kommen auch immer gut. Aber Busen. Busen haben Sie doch?“
„Äh. Schon. Aber…“
„Perfekt. Nehmen wir Montag rein. Schaffen Sie das?“

Zugegeben, einen Pulitzer krieg ich dafür nicht. Aber warum dieser kleine sarkastische Kommentar nun von den Moderatoren wegzensiert werden musste, während jede andere noch so strunzdumme Äußerung akzeptiert wird, das erschließt sich mir nicht. Wer Artikel schreibt, muss damit leben, dass nicht jeder sie spannend finden. Und sie kommentiert.

Liebe Welt, meint Ihr, Axel Springer wäre von so einem Kommentar ein Zacken aus der Krone gefallen? Vermutlich eher nicht. Der war aus anderem Holz geschnitzt.

Wäre mir das heute zum ersten Mal passiert, hätte ich mir vermutlich nicht die Mühe gemacht, das Thema hier zu erwähnen. Aber da die Welt mir schon öfter aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen Artikelkommentare weggelöscht hat, steckt dahinter offenbar System. Ist mir nämlich noch bei keiner anderen Zeitung im In- oder Ausland passiert, sei sie eher links oder rechts. Beispiele entnehme man bei Interesse meinem Disqus-Account.