Man kann von großen Fußballturnieren halten, was man will…

…aber Sie bereichern mit Titeln wie „Fieber“ oder „Helden 2008“ den musikalischen Speisezettel.

Nun möchte Dr. Huch hier keine Lanze brechen für mehr oder weniger melodiöses Fangegröle, aber er ist für wirkliche jede Abwechslung im Sülzeinerlei der Popmusik-Charts von Herzen dankbar.

Wo da das Einerlei ist, bei all den vielen aktuellen Stilrichtungen von Hiphop bis Fahrstuhlmucke, das mag der geneigte Leser sich fragen. Wenn man allerdings etwas genauer hinschaut, so erblickt, besser erhört man den Einheitsbrei. Von wenigen, seltenen und löblichen Ausnahmen abgesehen besingt der Barde von heute ausschließlich das Balzverhalten, entweder sein eigenes oder das seiner Mitmenschen.

Nun gehört das Paaren sicherlich zu den Grundbedürfnissen und Lieblingsbeschäftigungen des Säugetiers, aber ist das es wirklich das einzig mögliche Thema, dem man ein Liedlein widmen kann?

Große Liebe, enttäuschte Liebe, verlorene Liebe, Sommerliebe, neue Liebe, alte Liebe, verbotene Liebe, liebliche Liebe…wer denkt sich diesen ganzen schwülstigen Scheiss eigentlich aus? Sicher, manchen Musikkonsumenten steht die Gnade der fehlenden Fremdsprachenkenntnis zur Seite, die die schmerzhafte Enttarnung englischer Liedertexte als Gesülze verhindert. Nicht ohne Grund kann der Autor dieser Zeilen italienischen und französischen Schlagern durchaus etwas abgewinnen, wenn nicht grade allzu häufig „l’amour“ oder „amoooore“ darinnen vorkommt. Aber muß diese Flucht ins sprachliche Exil wirklich sein?

Wo ist das politische Liedgut geblieben? Sitzen alle noch nicht verbürgerlichten Liedermacher in Kreuzberger Eckkneipen und beweinen die anstehenden Verrentung der 86er-Generation? Warum wurde seit „Oh du schö-hö-höner We-he-hesterwald“ und „Warum ist es am Rhein so schön“ keine Landschaft mehr eines Songs gewürdigt? Wieso kann man nicht auch Gefühlen ein Liedchen widmen, die nicht von irgendwelchen Sexualhormonen gesteuert werden? Heimweh, Trauer, Neid, Zorn, Wut, Angst, Verzweiflung? Sind nicht Schönheit, Mut, Tod, Vergänglichkeit seit Jahrtausenden bewährt als Inspiration künstlerischen Schaffens?

Nach dem „griechischen Wein“ und der „Currywurst“ hat niemand mehr kulinarische Kulturgüter lyrisch verewigt, und wann wird endlich wieder einmal ein zünftiger Nippel durch die Lasche gezogen (ja, derart verzweifelt ist der Autor dieser Zeilen bereits)? Sicher, das früher übliche Besingen von kriegerischen Heldentaten ist aus Gründen der political correctness (sowie aus akutem Mangel an Helden) im deutschen Sprachraum nicht wirklich opportun, aber fällt der Musikindustrie wirklich nichts anderes ein als immer nur Gesäusel? Warum werden ergiebige Themen wie die Schönheit der Natur kampflos den Berchtesgadener Piepmatzen und anderen Göttern der Volksmusik überlassen? (Man sehe dem Autor eine gewisse Unkenntnis in Bezug auf diese spezielle Stilrichtung nach)

Dr. Huch fordert hiermit die Produzenten zeitgenössischer Musik energisch auf, ihr lyrisches Themenspektrum zu erweitern! Sonst…ähm…genau…sonst greift er selber zur Gitarre! (Kenner seiner musikalischen Fähigkeiten wissen, dass dies mindestens gegen die UN-Menschrechtscharta, die Genfer Konventionen und die Hager Landkriegsordung verstossen dürfte)

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