Gefallene Mädchen kannte man ja schon…

bei gefallenen Soldaten muss man erstmal schlucken…

Normalerweise hält sich Dr. Huch bei tagespolitischen Themen zurück, ausreichend viele Blogger fühlen sich berufen, Ihren Senf zu allem dazuzugeben, was so passiert.

Nur zu leicht erliegt auch Dr. Huch der Versuchung, die Nachrichten an sich vorbeischwappen zu lassen, soviel Schreckliches passiert täglich überall in der Welt, man kann sich ja schließlich nicht um alles kümmern. Nun ja, das setzt allerdings voraus, dass man sich um irgendetwas kümmert. Und da sieht Dr. Huch irgendwie ziemlich alt aus und so kam es, wie es kommen mußte, irgendwann beginnt etwas an seinem Gewissen zu nagen, zaghaft zunächst und dann immer stärker wahrnehmbar… „Afghanistan“

Ein von Krieg und Chaos seit Jahrzehnten umgepflügtes Land, ohne funktionierende Zivilgesellschaft, von rivalisierenden Ethnien geprägt und von ganz ordinären Gangsterbossen tyrannisiert, die auf jede Störung Ihrer lukrativen Geschäfte ausgesprochen gallig reagieren (schon mal was von „rent-a-taliban“ gehört? Nein? wird Zeit…)

Und mittendrin ein Häuflein (wirklich nur ein Häuflein in Anbetracht der Größes des Landes) Soldaten aus fremden Ländern, Großteils sicher mit guter Absicht dort, aber nicht davor gefeit, einen Fettnäpfchen-Marathon zu absolvieren und in das Räderwerk innerafghanischer Zwistigkeiten zu geraten.

Greifen wir uns aus diesem Häuflein nun noch ein ganz besonderes Grüppchen heraus, dasjenige aus dem fernen Germanien nämlich.

Hier ist ein kurzer Exkurs in Dr. Huchs Background unumgänglich. Als Kind des kalten Krieges, geprägt von Lehrern die Ihrerseits vom Geist der 68er-Revoluzzer geprägt waren, konnte er kaum umhin, eine ziemlich unmilitärische Grundhaltung an den Tag zu legen. Nein, ein friedensbewegter Ostermarschierer war er sicher nicht, aber der Gedanke an deutsche Soldaten in einem Kampfeinsatz war schlichtweg unvorstellbar. Die Bundeswehr hatte ein „Y“ auf dem Nummernschild, weil sie das Ende von Germany war, sie diente dazu, den Feind solange hinzuhalten, bis richtiges Militär eintrifft usw. usf., nein, eine besonders hohe Meinung hatte man damals nicht von der grünen Firma. War aber auch garnicht nötig, man rechnete ja sowieso täglich mit dem Ausbruch des dritten Weltkrieges, der verdammt kurz, verdammt nuklear und vor allem verdammt tödlich ausfallen würde. Die Details, die nach dem Fall des eisernen Vorhangs über die Aufmarschpläne und Kriegsszenarien der Großmächte bekanntwurden, bestätigen dies im Nachhinein. Allem Militärischen haftete der Beigeschmack des Reaktionären an, Dr. Huch ist heute noch erstaunt, wieso Bundeswehrparkas (inkl. Deutschlandfähnchen am Ärmel!) bei den Gorleben-, NATO-Doppelbeschluß und Wackersdorftouristen so erstaunlich beliebt waren. Revolutionärer Pragmatismus vermutlich.

Und jetzt wird Deutschland am Hindukusch verteidigt? Starker Tobak für Dr. Huch und seine Altersgenossen. Instinktiv reagiert man mit „Da halten wir uns mal lieber fein raus“ und freut sich heimlich, dass nach 1945 niemand größeres Interesse daran hatte, deutsche Soldaten außerhalb der Landesgrenzen zu Gesicht zu bekommen. Ist der Ruf erst ruiniert, drückt es sich ganz unbeschwert, Nein, mit dieser geschichtlichen Vorbelastung sind Auslandseinsätze der Bundeswehr schlichtweg unvorstellbar, dafür haben Sie doch sicher Verständnis, oder? Wie jetzt, doch nicht? Ups. Nun wirds etwas heikel, die bequeme Drückebergerei Zurückhaltung, die doch solange prima funktioniert hat, die lässt man uns nicht mehr durchgehen. Fies irgendwie, erst erziehen die uns zu Pazifisten und dann sollen doch wieder die „Germans to the front“?

Überspringen wir der Einfachheit halber ein paar Jahre, in denen die deutsche Öffentlichkeit zart an das Thema herangeführt wurde und betrachten wir den Schlamassel, den wir jetzt vor uns liegen haben.

Exkurs Ende, kommen wir zurück zu den (wenn man den Meinungsumfragen glauben darf) gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung nach Afghanistan entsandten Bundeswehrsoldaten. Da sitzen sie nun, im vorgeblich „sicheren“ Norden, bauen Brunnen, verteilen Schulhefte und trennen Ihren Müll, natürlich darf ein gepanzertes Fahrzeug mit abgelaufener TÜV-Plakette nicht vom Hof fahren, wir sind ja schließlich nicht bei den Hottentotten und der Amtsschimmel wiehert am Hindukusch genauso laut wie daheim.

Und plötzlich wirds ernst. Verdammt ernst sogar. Es wird geschossen, Raketen fliegen mal mehr und mal weniger zielgerichtet auf das Lager zu, Nein, Krieg ist das natürlich nicht, mehr sowas wie, ähm,  nunja, ein Einsatz halt, friedenserhaltend und so, Sie wissen schon.

Dreißig Tote, bisher. Junge Kerle zumeist, Anfang 20, das ganze Leben noch vor sich, von einem meist auch nicht älteren Selbstmordattentäter in Fetzen gerissen, dem das Luxusleben eines Märtyrers (mit reichlich Jungfrauen und so) schmackhaft gemacht wurde.

Reflex der Generation Golf (jaja, auch Dr. Huchs erstes eigenes Auto war ein Golf, Baujahr 78): Sofort raus aus Afghanistan, sollen die da doch sehen wie sie klarkommen. Was haben wir mit deren Stammesfehden zu tun.

Und hier beginnt nun der leise Zweifel an Dr. Huch zu nagen. Knabber. Kau. Um die Soldaten zu killen, zögern die keine Sekunde, auch einen Haufen Schulkinder, die sich zufällig in der Nähe befinden, mit in die Luft zu jagen. Keine Sekunde, buchstäblich.

Darf man ein Land, und sei es noch so fern, solchen Leuten sang- und klang- und kampflos überlassen?

Darf man das?

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