Junkie

Der Dealer war eigentlich richtig nett gewesen. Für ziemlich billiges Geld hatte er die Droge feilgeboten und sogar noch gefragt, ob er sie in eine Tüte stecken sollte. Nein, verschämt hatte Dr. Huch das Corpus Delicti in seiner Manteltasche verschwinden lassen und sich in sein Studierstübchen zurückgezogen. Ein Tête-à-tête mit der geheimnisvollen Substanz in dem braunen Fläschchen, das wollte in der Abgeschiedenheit des stillen Kämmerleins zelebriert werden.
Die Dosis, ja, auf die kam es ganz besonders an, ein Schuß sollte eigentlich reichen.
Dr. Huch waren selbstredend alle gesundheitlichen Risiken wohlbekannt, aber das Suchtzentrum in seinem Hirn lag in Clinch mit seiner inneren Stimme, die ihm flüsterte „Nimms nicht, lass die Finger davon, überlegs dir nochmal, vielleicht kannst Dus noch umtauschen“. Umtauschen, so ein Quatsch, der Dealer würde sich bedanken. Nein, die Entscheidung war gefallen, die innere Stimme verhallte ungehört. Beherzt schritt er daher nun zur Anwendung. Einige Sekunden des Wartens. Es tat sich nichts. Erste Zweifel. War er auf ein Plazebo hereingefallen? War der Stoff verschnitten? Vielleicht völlig wertlos? Doch da. Die Wirkung setzte ein, erst kaum merklich, dann immer deutlicher. Er spürte wie es sich in seinem Kopf ausbreitete. Die Luft, die er einatmete, schmeckte plötzlich prickelnd und frisch, energiegeladen. Hatte er vorher überhaupt geatmet?
Eine sonderbare Klarheit umfing ihn, dieses unglaubliche Gefühl – War das schon Bewußtseinserweiterung?

Naja, eher Nasennebenhöhlenerweiterung, aber Nasenspray ist schon wirklich ein geiles Zeugs…

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