Die wahre Geschichte des Earl Grey

Als Teetrinker kennen Sie das. Man bietet Ihnen eine Tasse Schwarzen Tee an. Dankend nehmen Sie an und freuen sich, in zivilisierten Breiten zu leben. Das Heißgetränk wird serviert, Sie nehmen einen Schluck. Und plötzlich ist Ihr Gastgeber nass, denn in der Tasse befand sich (hier Bekreuzigungsgeste einfügen) EARL GREY Teaa. Und Sie sind einen weiteren Freund los.

Das muss nicht sein. Beugen Sie vor und helfen Sie, Teeunwissende über die traurige Geschichte des Earl Grey aufzuklären.

Als anno 1066 die Normannen in England einfielen, wurde auch die Burg von Mortimer, dem dritten oder vierten Earl Grey (so genau nahm man das damals noch nicht) belagert.

Als nach einigen Wochen die Vorräte zuende gingen, besann sich der Burgherr eines Vorrats an Bergamottöl, den sein grenzdebiler Proviantmeister sich von einem schlitzohrigen fahrenden Händler hatte aufschwatzen lassen. Die Bergamotte ist eine völlig überflüssige Spielart der Zitrusfrüchte, deren einziger nachgewiesener Nutzen in der Abwehr von Exemplaren einer besonders geruchssensiblen südwalisischen Stechmückenart besteht. Selbige ist allerdings bereits kurz vor dem Mammut als „ausgestorben“ deklariert worden.

Der perfide Earl befahl nun also, die normannischen Belagerer von den Zinnen aus mit siedendem Bergamottöl zu überschütten, da die Pechvorräte aufgebraucht waren. Höchstselbst beaufsichtigte er den Erhitzungsvorgang, eine Tasse Belagerungstee in der Hand. Belagerungstee ist, wie der Name schon sagt, ein Getränk, dass in bitterer Not aus zusammengefegten Schwarzpulverresten, Mäusekot und abgeschnittenen Fußnägeln ungewaschener Landsknechte bereitet wird.

Ein vom Hunger geschwächter Fußsoldat namens Balduin schleppte nun einen nach Tod und Pestilenz stinkenden Kessel heißen Bergamottöls herbei, stolperte auf dem unebenen Boden und übergoß alle Anwesenden mit einem Schwall dieser frühen Massenvernichtungswaffe. Ausnahmslos alle Betroffenen stürzten sich daraufhin verzweifelt von den Zinnen, bis auf einen. Mortimer, der Earl selber. In stoischer Ruhe nahm er einen Schluck des nun um Bergamottöl angereicherten Belagerungstees, sagte „Splendid, isn’t it?“ und warf einen verächtlichen Blick auf die im Burggraben liegenden zerschmetterten Leichen seiner Soldaten.

Was niemand ahnen konnte: Hinter den normannischen Linien war zeitgleich das Croissant erfunden worden, die feindlichen Kräfte aus Frankreich hatten daher besseres zu tun, als den heruntergekommenen Schuppen des Earl Grey einzunehmen und zogen sich zurück.

Wie es mit Legenden nun mal so ist, es bildete sich blitzschnell eine, die einen Zusammenhang zwischen dem Earl Grey Tee und dem Rückzug der Belagerer herstellte. Selten erwähnt wird allerdings, dass Mortimer wenige Tage nach Genuss des Gebräus an einem spontanen Magengeschwürsdurchbruch verstarb.

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