Klima, Krise, Kleber

Lassen Sie mich als Vertreter der vorletzten Generation mal versuchen, Ihnen als Spätgeborene zu erklären, warum viele Ältere auf die Sache mit der Klimakatastrophe eher so mit „Wird schon nicht so schlimm kommen, erstmal abwarten“ reagieren. Das muss Ihnen fremdartig erscheinen.

Exakt genauso wie jetzt vor der Erderwärmung mit all ihren Konsequenzen haben uns in den letzten Jahrzehnten die Medien vor anderen Dingen gewarnt. AIDS würde uns ausrotten. Oder der nukleare Winter. Das Ozonloch uns alle braten. Wenn uns nicht vorher der saure Regen auflöst.

Ja. Sex sells. Aber Panik sellt noch besser. Nehmen Sie sich mal die Zeit und die Spiegel-Titelblätter aus den 80ern zur Hand. Ach herrjeh, wer hätte sich in jener Zeit getraut, noch ein Apfelbäumchen zu pflanzen. Oder Kaugummipackungen mit mehr als 10 Stück drin zu kaufen.

Tja. Und die Wissenschaft. Die hat sich leider auch nicht immer mit Ruhm bekleckert und gern ins selbe Horn getrötet. Denn Forschungsmittel gabs auch primär dann, wenn man sich auf einem Gebiet betätigte, bei dem die perspektivische Ausrottung der Menschheit eine Rolle spielte.

Und jetzt steht uns ein Heidenklimaschlamassel bevor UND KEINE SAU GERÄT ANGEMESSEN IN PANIK. Ich verstehe Sie, Frischling. Wirklich. Das ist frustrierend. Aber vielleicht hülfe es, nachzuforschen, woran es eigentlich liegt, dass Ihre Suppe auf dem van Gogh niemanden aufrüttelt.

Und vor allem: Einfach mal auf ein paar Denkfehler der Altvorderen aufmerksam machen. Da wäre zum Beispiel dieser: „Kam ja denn doch nicht alles so schlimm.“ Ja, Digger, WEIL MAN WAS DAGEGEN GETAN HAT. UND ZB FCKW VERBOTEN. Und nicht weil du dir die Eier geschaukelt hast.

Der Mensch hat dummerweise nur eine begrenzte Speicherkapazität für Angstmacher. Und neben der Angst vor dem Atomtod war bei den Alt68ern und den von ihnen geinfluencten Nachkömmlingen leider nur wenig Platz für anderes. Daher verbrennen die jetzt munter Holz in ihren Kaminöfen.

Das ist gemütlich, strahlungsarm, regional und CO2-neutral. AM ARSCH ISSES DAS. Das CO2 ist in den Bäumen wesentlich besser aufgehoben (und noch für Jahrzehnte) als in Jürgen Trittins Räucherstinkeofen. Mit dem gleichen Argument kann man auch Braunkohle abfackeln. Und tut es.

Echt jetzt. Ich trau Atomkraftwerken nur so weit, wie ich nen Betonmischer werfen kann. Aber aus politischen Gründen das modernste Kohlekraftwerk Europas stillzulegen, die alten Stinker weiterlaufen zu lassen und noch paar Dörfer für Braunkohle wegzubaggern, das hat Gschmäckle.

Seit 40 Jahren wusste jeder, der es wissen wollte, dass wir ein Problem kriegen mit der Erderwärmung. Aber weil ständig ne andere Krisensau durchs Dorf getrieben wurde, ist man in die alte Managementfalle getappt. Und hat sich den dringenden, nicht den wichtigen Themen zugewandt.

Glauben Sie mir, Mr. Superkleber, das wäre Ihnen vermutlich exakt genauso passiert. Das ist weder Rechtfertigung noch Entschuldigung sondern einfach eine Tatsachenbeobachtung. Kein Gramm CO2 verpisst sich aus der Atmosphäre, wenn sich Generation Z und Boomer gegenseitig anpöbeln.

Viele von uns haben zeitlebens versucht, diesen ganzen Bums hier so umzukrempeln, dass er uns nicht in paar Jahren um die Ohren fliegt. Einiges hat funktioniert, einiges nicht. Sie haben keine Ahnung, wie dreckig Luft und Wasser in den 70ern waren. Und alle fanden das normal.

Also kommen Sie mir nicht mit pauschalem Gequatsche von wegen „Ihr habt uns alles kaputt gemacht“. Haben wir nicht. Nicht alles jedenfalls. Einiges haben wir auch heile gemacht. Bei sowas krieg ich SO einen Hals und das Bedürfnis, ne Tomatensuppe zurückzuwerfen. IN DER DOSE.

Ach was solls. Ich hab mich zeitlebens an den moralingesäuerten Alt68ern abgearbeitet, die schon lange ihre Mao-Bibel beiseite gelegt haben und jetzt in der Toskana ihre Studienratspension verleben und den lieben Gott nen guten Mann sein lassen. WARUM SOLL IHNEN DAS BESSER GEHEN.

So. Aber jetzt kommt der Clou. Sie müssen Leute, die aus welchen Gründen auch immer nicht an den Klimawandel glauben, gar nicht überzeugen. Das ist im besten Fall anstrengend und im schlechtesten sogar kontraproduktiv, weil es zu einer unnötigen Verhärtung der Fronten führt.

Man kann sich nämlich ohne weiteres darauf einigen, dass die Verbrennung endlicher fossiler Energieträger auf Dauer nicht besonders schlau ist. Eben weil die nämlich a) endlich und b) ziemlich dreckig sind. Und im Dunkeln frierend im Dreck sitzen, das wollen die allerwenigsten.

Ein paar bleiben immer über, die sagen „Nach mir die Sintflut, solange ich lebe gibts genug Benzin“. Die Arschlochquote ist eine Konstante, gegen die machen Sie nix. Aber der Rest? Der will auch keinen Feinstaub oder verölte Strände, weil mal wieder ein Tanker abgesoffen is

Ob Windkraft, Sonne, Erdwärme, Wasserstoff oder so ein Fusionsdingsi, es macht Sinn, saubere und unbegrenzt verfügbare Energie zu haben. Egal ob man an Erderwärmung, Meeresspiegelerhöhung usw. glaubt oder nicht. Auch Überzeugungsenergie ist endlich, setzen Sie Ihre weise ein.

Das heißt jetzt übrigens nicht, dass man überall, wo bestenfalls mal Winde wehen, wenns im örtlichen Wirtshaus Sauerkraut satt gab, ein Windrad aufstellen muss oder da, wo es 250 Tage im Jahr finster wie im Bärenarsch ist, für jedes Dach Solarzellen vorgeschrieben werden.

Ich weiß, Pragmatismus ist nicht so Ihr Ding, Ideologie macht ja auch viel mehr Spaß. Und nichts ist so wohlig pipiwarm wie dieses Gefühl der Selbstgerechtigkeit, weil man sich auf der richtigen Seite wähnt.

Aber hey, was wäre so eine Wüste ohne den einen oder anderen Prediger.

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