Dr. Huchs Chattertypologie Teil 18 – Der Speicherer

Heute: Der Speicherer

Speicherer, das sei vorweg gesagt, sind ganz üble Gesellen und dementsprechend zahlreich vertreten. Sie kompensieren ihr lausiges Gedächtnis durch ausgiebiges Cut and Paste and Save und gaukeln ihrem unbedarft Gegenüber vor, sich an jede Kleinigkeit aller bisherigen privaten Dialoge en detail erinnern zu können. Sichtlich beeindruckt fühlt man sich am Bauch gekitzelt, meine Herren, was der/die sich alles über mich gemerkt hat, scheint sich ja wirklich für mich zu interessieren.

Der Haken an der Sache: Dieses wohlige Gefühl verschafft der Speicherer in der Regel einer ganzen Reihe von Chattern, zumeist weil er einfach ansonsten den Überblick verliert. Durch Speichern der Dialoge auf der heimischen Festplatte (möglichst gesichert gegen unerwünschten Zugriff durch Schutzbefohlene oder andere interessierte Kreise) entgeht man mancher Peinlichkeit. Schließlich mag ja auch niemand während einer heißen Liebesnacht mit dem falschen Vornamen angestöhnt werden, oder?

Dialoge speichern wird in der einschlägigen Fachliteratur gern mit der Masturbation verglichen, wer behauptet, er tuts nicht, der lügt.

Dr. Huchs Bewertung:
Wer von Euch ohne Zwischenablage ist, der werfe den ersten Legostein…

Ergänzung:
Dr. Huch wurde durch eine aufmerksame Leserin darauf hingewiesen, dass Speicherer mitnichten nur Dialoge speichern, sondern selbstflüsternd alles, was ihm an multimedialem Material überlassen wurde. Fotos, Filmchen, ob peinlich oder ästhetisch, ob jugendfrei oder NSFW, alles wird fein säuberlich archiviert und (manchmal) zu passender oder unpassender Zeit wieder hervorgekramt.

Auch dem Speicherer kann man natürlich etwas Nützliches abgewinnen. Man schickt ihm einfach alle Dateien, die man schon immer mal sichern wollte und kann sich hunderprozentig darauf verlassen, dass bei ihm nix verloren geht. Nach dem nächsten Festplattencrash wendet man sich einfach an den Speicherer seines Vertrauens und schon ist alles wieder da…

 

Dr. Huchs Chattertypologie Teil 17 – Der/Die Omnipräsente

Heute: Der/Die „Omnipräsente“

Bevor Dr. Huch wieder des galoppierenden Fremdwörterfetischismus geziehen wird, hier vorweg eine aus der Wikipedia geklaute Begriffsdefinition: Die Allgegenwart oder Allgegenwärtigkeit (lateinisch: Omnipräsenz oder Ubiquität) bedeutet allgemein zu jeder Zeit an jedem Ort präsent zu sein.

Im Chat bezieht sich dies auf Dauerchatter, von denen man sich des Abends, wenn die Gerechten schlafen gehen, höflich verabschiedet hat, nur um sie am nächsten Morgen immer noch am selben (virtuellen) Orte vorzufinden. Omnis, wie wir Sie hier der Einfachheit halber und verniedlichend nennen wollen, treten häufig paar- oder gruppenweise auf, Dr. Huch vermutet hier ein gewisses gegenseitiges Aufschaukeln („ach, der/die ist ja auch noch da, dann bin ich ja doch nicht ganz so abartig, wie ich dachte“).

Dauerchatter plagt nach eigener Aussage eigentlich dauernd ein schlechtes Gewissen, weil sie ihr reales Leben vernachlässigen und soziale Kontakte außerhalb des Chats nicht mehr richtig pflegen. Im selben Maße wie ihr Ansehen im Chat steigt (Surprise, Surprise, Ansehen hat dort was mit Präsenz zu tun, je häufiger man online ist, desto mehr Leute kennen einen) werden sie in der rauen Wirklichkeit zu Eigenbrötlern. Ehen sind an Omnipräsenz zerbrochen, Kinder bei Jugendämtern gelandet und der eine oder andere Job ist auf Nimmerwiedersehen verlorengegangen, da unser Omni leider nicht die Zeit fand, sich um die Belange des Gatten/Nachwuchses/Arbeitgebers hinreichend zu kümmern. Viele Omnis lassen sich eine Operator-Rolle aufschwatzen („Du bist doch sowieso dauernd hier, dann kannst Du doch auch ein bißchen auf die anderen aufpassen“), was etwa so hilfreich ist wie einen Alkoholiker aufgrund seiner Sachkenntnis als Barkeeper anzustellen.

Interessant ist, dass viele Omnis urplötzlich die Kurve kriegen bzw. kratzen und auf Nimmerwiedersehen aus dem Chat verschwinden. Genauso extrem wie sie vorher online waren, sind sie plötzlich offline. Vermutlich ist dieses vergleichbar mit dem Phänomen des plötzlich geläuterten Rauchers, der vermutlich niemals in der Lage sein wird, eine einzelne Zigarette danach (nach dem Essen natürlich, was denkt Ihr wieder Ihr Ferkel) zu genießen ohne sofort die ganze Packung durch die Lunge zischen zu wollen. Die Wissenschaft (nun ja, zur Zeit eigentlich nur Dr. Huch, aber der Chaterologie ist ja ein kometenhafter Aufschwung vorhergesagt) spricht hier von der aktiven und der passiven Phase der Omnipräsenz. Wir unterscheiden im Passivzustand den latent Omnipräsenten, bei dem sich aktive und passive Phasen mehr oder weniger regelmäßig abwechseln und den singulär Omnipräsenten, der nach einer ersten aktiven Phase in eine Art Chatstarre (Chatstupor) verfällt und aus dieser in der Regel nicht wieder auftaucht.

Dr. Huchs Bewertung:
Wertfrei. Leichte Formen der Omnipräsenz sind harmlos und bedürfen keiner Therapie, die Prognose bei Härtefällen ist allerdings ungünstig, nur konseqeuenter Flatrateentzug verspricht Heilung oder zumindest Linderung. Selbst die zwangsweise Einweisung in zwei Fäustlinge bewirkt während eines akuten Anfalls (->aktive Phase) lediglich, dass die Schreibgeschwindigkeit des Omnipräsenten geringfüging sinkt, mit der Nase tippt sichs nunmal nicht so wirklich schnell…

Dr. Huchs Chattertypologie Teil 16 – Der Lebenskünstler

Heute: Der „Lebenskünstler“

Das besondere am Lebenskünstler ist, das niemand außer ihm selbst auf die Idee käme, ihn als solchen zu bezeichnen. In der Regel handelt es sich um eine mehr oder minder gescheiterte Existenz, der grad das nötige Kleingeld für eine Nutte fehlt. Stattdessen hofft unser Lebenskünstler im Chat ein wiliges Weib zu finden, bei dem er für Umsonst bekommt, wofür er anderswo zahlen müßte.

Da er nicht von lästigen Broterwerbsaktivitäten am Chatten gehindert wird, ist er in der Regel in seinem Stamm-Channel dauerpräsent und kann sowohl die Früh- als auch die Spätschicht der weiblichen Chatter anschmachten. Kritisch wirds dann beim ersten Daten, wenn die Gefahr besteht, dass zu schnell herauskommt, was wirklich hinter der Fassade des Lebenskünstlers steckt. Zu schnell meint in diesem Zusammenhang: bevor er sie ins Bett gekriegt hat.

Zu längeren Beziehungen kommt es ohnehin in der Regel nicht, da selbst die leidensfähigste Frau schnell erkennt, dass unser Lebenskünstler sich primär für sich selbst interessiert und gern in Selbstmitleid zerfliesst. Schließlich haben sich alle Welt und das Schicksal verschworen, um ihm das Leben schwerzumachen. Profane geregelte Arbeitszeiten verstoßen für ihn gegen die Genfer Konventionen, weswegen er die Ausbeutung durch das Erwerbsleben boykottiert. Die einzige bürgerliche Einrichtung, die er mit einer gewissen Regelmäßigkeit aufsucht, ist das Sozialamt, wo er sich beschwert, dass seinem Grundrecht auf einen Plasmagrossbildfernseher nicht entsprochen wird.

Dr. Huchs Bewertung:
Nur für Null-Nummern geeignet

Dr. Huchs Chattertypologie Teil 15 – Der Profi

Heute: Der Profi (männlich)

Profis sind, wie der Name schon ahnen läßt, professionelle Chatter mit einigen Jahren Erfahrung auf dem Buckel.

So ein bißchen das männliche Gegenstück zur Ausgekochten sind sie das Urgestein, auf dem die Chatkultur ruht. Sie sind in der Lage, ganze Sätze zu formulieren und haben damit den meisten anderen männlichen Chattern gegenüber einen entscheidenden taktischen Vorteil. Humor, Selbstironie und verbalakrobatische Fähigkeiten (in wechselnder Ausprägung) zeichnen den Profi aus.

Profis haben durchaus Gefühle, jedenfalls ist das die gängige Lehrmeinung. Allerdings neigen sie nicht dazu, diese in der Öffentlichkeit auszubreiten.

Zur Lieblingsbeute der Profis gehören Weicheier und Notgeile, welche verbal erlegt und standrechtlich seziert werden. Die Abwehrmechanismen dieser beiden Kategorien sind hinreichend bekannt, der eine heult, der andere pöbelt. Beide machen sich allerdings gleichmaßen vor aller Augen (vor allem vor denen der Damenwelt) lächerlich, sind jedoch meist nicht in der Lage, dies auch zu erkennen und mannhaft die Konsequenz daraus zu ziehen und sich zu verflüchtigen.
Dr. Huchs Bewertung:
Laßt mal die Profis ran 😉

Dr. Huchs Chattertypologie Teil 14 – Der Virtuelle

Heute: Der Virtuelle (männlich/weiblich)

Hier müssen wir etwas weiter ausholen. Der gemeine Chatter ist -trotz aller gegenteiliger Behauptungen- in der Regel an einer körperlichen Begegnung mit seinem Gegenüber interessiert. Begegnung darf hierbei durchaus weit gefaßt werden, nicht unbedingt muß damit ein Date oder gar sexueller Kontakt gemeint sein. Letzterer ist allerdings bei einer signifikanten Anzahl von vorwiegend männlichen Chattern heiß ersehnt, die Erfüllungsquote dieses Wunsches sollte man jedoch nicht allzu hoch ansetzen…

Der oder die Virtuelle hingegen lebt sich zwar im Chat aus, kennt dort Gott und die Welt, flirtet, diskutiert, pöbelt, was auch immer so ein Chatter so alles tut. Aber er/sie wird sich niemals real mit Chattbekanntschaften treffen.

Dies kann vielfältigste Ursachen haben, die einfachste: er/sie hat ein ausreichend interessantes reales Privat-, Berufs- und Liebesleben und verspürt daher einfach keinen Drang, die schrägen Typen aus dem Chat wirklich zu treffen.

Dr. Huchs Bewertung:
Das ideale Chat-Pärchen: Zwei Virtuelle … 😉

Dr. Huchs Chattertypologie Teil 13 – Der Vulkan

Heute: Der Vulkan (weiblich)

Vulkane gehören in die Kategorie der Chat-Naturereignisse. Will sagen: wer einmal einem Ausbruch beigewohnt hat, wird dies mit Sicherheit lange in Erinnerung behalten.

Auf den ersten Blick scheint man einer Prüden begegnet zu sein, die Konversation bewegt sich zwischen Smalltalk „Wie ist denn bei Euch das Wetter?“ und Weltpolitik „Ja, die Wahl vom Bush in Florida war wirklich höchst fragwürdig“. Keine Gelegenheit wird ausgelassen, darauf hinzuweisen, daß man nur an ernsthaften Gesprächen interessiert sei. Auf Schlüpfrigkeiten wird überhaupt nicht reagiert, weder positiv noch negativ und spätestens hier keimt beim erfahrenen Chatter der Verdacht, es vielleicht, aber nur vielleicht, mit einem schlummernden Vulkan zu tun zu haben. Eine echte Prüde reagiert nämlich auf derlei offen ablehnend und droht mit sofortigem Liebesentzug in Tateinheit mit Wandlung zur beleidigten Leberwurst.

Es entspannt sich ein nervenzerfetzendes Belagerungsspiel zwischen Geduld und Geschick des angreifenden Chatters und dem Beharrungsvermögen des (potentiellen) Vulkans. Mit allen Mitteln versucht er, den Vulkan zum Ausbruch zu provozieren. Immer wieder lenkt sie das Thema zurück auf Unverfängliches, ohne jedoch offen ablehnend zu reagieren. Erste Anzeichen von Rissen im Bollwerk können plötzliche Heiterkeitsanfälle bei schmutzigen Witzchen oder erste zaghaften Zeichen von (Selbst-) Ironie sein. Verbale Finten, Scheinangriffe, Ausfälle, das gesamte Repertoire mittelalterlicher Festungsbelagerung und ihrer Gegenmittel wird ausgeschöpft.

Halb zog er sie, halb sank sie nieder, wenn besagter Chatter schließlich (normalerweise nach vielen Wochen oder Monaten) für wert befunden wird, ihr geheimes Ich kennenzulernen, dann gibt es kein Halten mehr. Der Vulkan sprudelt, hat er einmal wirklich Zutrauen gefaßt, förmlich über, jede Schlampe und jede Ausgekochte sieht alt aus gegen das, was plötzlich hervorbricht. Schamlose erotische Fantasien, tiefgründige Gedanken, köstlicher Humor, feinziselierte Ironie, handgedrechselter Zynismus, alles, wovon Otto Normalchatter nur zu träumen wagt und manches, was deutlich darüber hinausgeht taucht aus den unergründlichen Tiefen ihres Charakters auf.

Dr. Huchs Bewertung:
Holy Moly…
Unvergleichlich, aber nur für Nervenstarke zu empfehlen.

Dr. Huchs Chattertypologie Teil 12 – Der Chatvestit

Heute: Der Chatvestit (männlich, oder sowas gg)

Chatvestiten leben im Schutze der scheinbaren Anonymität eines Chatrooms ihre geheimsten Phantasien aus. So können auch Hans-Jürgen und Ernst-Hermann endlich mal ein Gespräch unter Frauen führen. Im besten Fall sogar miteinander…

Die mühselige und irreversible Geschlechtsumwandlung spart sich der Chatvestit für später auf, erstmal versucht er, auf diese Weise an Frauen heranzukommen und (zumeist) sich daran in irgendeiner Form aufzugeilen. Bekanntlich stehen alle Männer auf lesbische Sexszenen, manche wollen bei diesen halt gern mal mitspielen.

Das Problem besteht allerdings darin, daß jede nicht gerade unter einem Anfall von totaler Unzurechnungsfähigkeit leidende Frau den durchschnittsbegabten Chatvestiten spätestens nach dem zweiten Satz enttarnt. Allerdings nur wenn der erste Satz „Hallo“ war, ansonsten auch schon früher.

Mit erfolgreichen Chatvestiten hingegen ist es wie mit dem perfekten Verbrechen. Keiner weiß hinterher, ob überhaupt eins stattgefunden hat 😉
Dr. Huchs Bewertung:
Naja, wers mag. Dr. Huch seines Zeichens ist sich gar nicht so sicher, ob er wirklich wissen will, was Frauen so denken, insbesondere über Männer im Allgemeinen und ihn im Besonderen…