Ich gestehe!

Ich gestehe

  • dass ich zu der aussterbenden Art der Kaffee-mit-Schlagsahne-Trinker gehöre („das ist ja SO retro“)
  • dass es mir piepegal ist, wenn mich der Oberkellner für einen Perversling hält, weil ich meinen Capuccino mit Schlagsahne haben will
  • dass ich Latte Macciato für Kinderkaffee halte (wie übrigens die meisten Menschen in seinem Heimatland)
  • dass daher für mich der Begriff „Morgenlatte“ nicht den ersten Kaffee am morgen bezeichnet
  • dass mir die Erfindung des Milchschaums für die Menschheitsgeschichte etwa so relevant erscheint wie die Entwicklung des Pop-Up-Blockers, der mich per Pop-Up darüber informiert, dass er ein Pop-Up geblockt hat
  • dass Menschen, die ihren Kaffee mit Milch auf „lauwarme“ Trinktemperatur herunterkühlen, auch Alkopops trinken, weil ihnen Alkohol eigentlich viel zu bitter ist, sie aber wie die Erwachsenen gerne besoffen werden wollen
  • dass ich den starken Verdacht habe, dass sich das männliche Gemächt bei Konsum von zuviel Milchkaffee in ein Euter verwandelt

Junkie

Der Dealer war eigentlich richtig nett gewesen. Für ziemlich billiges Geld hatte er die Droge feilgeboten und sogar noch gefragt, ob er sie in eine Tüte stecken sollte. Nein, verschämt hatte Dr. Huch das Corpus Delicti in seiner Manteltasche verschwinden lassen und sich in sein Studierstübchen zurückgezogen. Ein Tête-à-tête mit der geheimnisvollen Substanz in dem braunen Fläschchen, das wollte in der Abgeschiedenheit des stillen Kämmerleins zelebriert werden.
Die Dosis, ja, auf die kam es ganz besonders an, ein Schuß sollte eigentlich reichen.
Dr. Huch waren selbstredend alle gesundheitlichen Risiken wohlbekannt, aber das Suchtzentrum in seinem Hirn lag in Clinch mit seiner inneren Stimme, die ihm flüsterte „Nimms nicht, lass die Finger davon, überlegs dir nochmal, vielleicht kannst Dus noch umtauschen“. Umtauschen, so ein Quatsch, der Dealer würde sich bedanken. Nein, die Entscheidung war gefallen, die innere Stimme verhallte ungehört. Beherzt schritt er daher nun zur Anwendung. Einige Sekunden des Wartens. Es tat sich nichts. Erste Zweifel. War er auf ein Plazebo hereingefallen? War der Stoff verschnitten? Vielleicht völlig wertlos? Doch da. Die Wirkung setzte ein, erst kaum merklich, dann immer deutlicher. Er spürte wie es sich in seinem Kopf ausbreitete. Die Luft, die er einatmete, schmeckte plötzlich prickelnd und frisch, energiegeladen. Hatte er vorher überhaupt geatmet?
Eine sonderbare Klarheit umfing ihn, dieses unglaubliche Gefühl – War das schon Bewußtseinserweiterung?

Naja, eher Nasennebenhöhlenerweiterung, aber Nasenspray ist schon wirklich ein geiles Zeugs…

Busfahren ist nix für Hypochonder

Der Himmel weinte wie wohl sonst nur Guido, wenn ihm die neuesten Umfrageergebnisse der FDP gereicht werden. Dr. Huch stand am Bahnhof, tropfte vor sich hin und blickte sehnsüchtig auf den gähnend leeren Taxenstand.

Nun, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, aber bei Sauwetter hat auch sie nur eine geringe Lebenserwartung. Zufällig näherte sich gerade ein Linienbus, der Dr. Huch gegen geringes Entgelt eine Mitfahrt in Richtung seines Zieles und ein wenn auch temporäres Dach über dem Kopf versprach. Nicht feige gesellte er sich also zu der wartenden Meute, nichts Böses ahnend, denn der Blick in das Innere dieses öffentlichen Verkehrsmittels war durch bechlagene Scheiben gnädig versperrt.

Spätestens hier hätten Dr. Huchs Überlebensinstinkte Alarm schlagen müssen, aber da Männer nun mal nicht zwei Dinge gleichzeitig tun können, belegte das Kleingeldrauskramen und -nachzählen alle verfügbaren grauen Zellen, und so nahm denn das Unglück unaufhaltsam seinen Lauf.

Als nämlich Dr. Huch die Stufen zum Busfahrer hinauf erklommen und seinen Obulus entrichtet hatte, schreckte ihn plötzlich ein vertrauter, wenn auch seit mehr als einem Vierteljahrhundert nicht mehr wahrgenommener Geruch aus seinen Gedanken. Oh Gott. Die undurchsichtigen Fenster waren nicht auf irgendwelche Unterschiede zwischen Innen- und Außentemperatur oder -luftfeuchtigkeit oder sonstwas Naturwissenschafliches (Dr. Huch war in Physik eine Niete) zurückzuführen, sondern auf den Aus-Atem einer unüberschaubaren Horden von Schülern. Ja, genau, Schüler, die gibt es tatsächlich noch. Unser wackerer Held konsumiert täglich verschiedenste Presseerzeugnisse und war bisher fest davon überzeugt, dass wir ein aussterbendes Völkchen sind. Irgendwer hatte aber wohl vergessen, die Eltern dieser Meute davon zu informieren, die offensichtlich immer noch der alten Seid-fruchtbar-und mehret-euch-Philosophie frönten.

Wo war er nur hingeraten, nun gut, Dr. Huch beschloss, das Beste aus der Situation zu machen und zog sich in sich selbst und die Position eines neutralen Beobachters zurück. Besser gesagt, er mühte sich redlich, aber die Teile seines Gehirns, die für hypochondrisches Gedankengut anfällig sind (und das dürften mehr als 99% sein) rekapitulierten munter alle ihm bekannten Kinderkrankheiten, Volksseuchen und Pandemien, deren Urheber vom Stamme der Viren und Bakterien in der Treibhausluft des Gefährts fröhlich Urständ feierten, und gegen die sein Immunsystem sicherlich noch keine Antikörper auf Lager hatte. Hust, Rotz, Schnüffel, Schnief, die Geräuschkulisse war beängstigend.
Die angenehmen Gedanken an eine bevorstehende Infektion mit der Schweinegrippe wurden nur durch häufige und zum Ausgleich dafür heftige Schläge und Stöße unterbrochen, als der Bus schließlich losfuhr und Dr. Huch versuchte, seinen haltlosen Zustand zu beenden und sich auf seinem Stehplatz halbwegs kommod einzurichten.

War es eigentlich ein gutes oder ein schlechtes Zeichen, dass keines der kleinen Monster aufstand, um Dr. Huch einen Platz anzubieten? Sprach das nun für seine immer noch vor Virilität und jugendlichem Elan strotzende Ausstrahlung oder gegen die heutige Jugend und ihren Sinn für Höflichkeit? Da auch für keinen der anderen der zugestiegenen Voll- und Überjährigen, die teilweise das Rentenalter definitiv erreicht hatten, einer der Pennäler aufstand, traf vermutlich letzteres zu.

Fortsetzung folgt.

Männer lieben Fußball…

und da Dr. Huch ein Mann und man gegen Klischees ja nun mal sowieso machtlos ist, sitzt unser Lieblingsblogger nun, ausgerüstet mit einer Familienpackung Chips, Schokolade, kalten Getränken und natürlich einer Fernbedienung, alle vier Jahre vor der Glotze und sterbenslangweiligt sich.

Ein Haufen mehr oder weniger vorteilhaft gekleideter Männlein bevölkert die Mattscheibe und schiebt lustlos eine Kunststoffkugel (kennt überhaupt noch jemand den Ausdruck „das Leder“?) hin und her. Gähn. Durchschnittlich 89 Minuten lang passiert – nix, aber auch rein gaaar nix. Und wenn man dann frustriert in die Küche schleicht, um Nachschub zu holen, genau dann muss irgendso ein pickliger Jüngling dann doch aus Versehen ein Tor schiessen.

Interessiert sich wirklich irgendwer, wie Paraguy oder Kamerun gegen Tuvalu oder Grönland abschneiden? Also, sind alles bestimmt schöne Länder, aber wirklich erwärmen kann Dr. Huch sich für deren Mannschaften irgendwie eher nicht. Nein, ein Fußball-Enthusiast wird er nicht mehr, der Funke der Begeisterung will und will einfach nicht überspringen.

Die serviceorientierten Südafrikaner geben sich zwar redlich Mühe, das öde Geschwafel der Kommentatoren durch einfache, aber wirkungsvolle technische Hilfsmittel (Plastiktröten) zu überdecken, scheitern aber letztendlich am Beharrungsvermögen öffentlich-rechtlicher Gebührenverquassler. Hm, das ist eigentlich sehr modern, wenn viele Menschen ohne Geld dafür zu bekommen für ein gemeinsames Ziel (in diesem Fall: Nervt[r]öten) arbeiten, dann ist das doch ein Beispiel für sogenanntes Crowdsourcing, oder?

Nun, wie auch immer, damit sollte die Grundhaltung des Dr. Huch zur WM hinreichend beschrieben sein, alles beim Alten könnte man meinen. Wenn ihm da nicht plötzlich, gänzlich unerwartet, ein Fußballspiel Kurzweil bot – Deutschland gegen Australien…Endlich mal ein paar Tore, eine funktionierende Taktik, motivierte Spieler, kurzum, unterhaltsamer Fußball…Ja, gut, Nörgler mögen sagen, dass die Australier vermutlich auch den Alten Herren II der SpVgg Hintertupfingen zum Opfer gefallen wären, aber das ist doch total wurscht, oder?

Dass es sowas noch gibt…Dr. Huch hatte Spaß an einem Fußballspiel…un-fucking-believable

Ach ja, nicht zu vergessen: Da spricht doch tatsächliche eine unbedarfte (und ziemlich lange nach Ende des 1000jährigen geborene) Moderatorin vom „innerlichen Reichsparteitag“. Aua. Ein Aufschrei geht durch die Menge der Berufsbetroffenen. Unglaublich. Empö-hö-hö-rend. Faschistoid. Wehret den Anfängen. Nie wieder Krieg. Meine Herren (und Damen), gehts nicht auch ne Nummer kleiner? Natürlich war das nicht grad eine verbale Großtat von Frau Müller-Hohenstein, aber muß man gleich so tun, als wäre sie hakenkreuzfahneschwingend und holocaustleugnend durchs Studio gehüpft und hätte dabei das Horst-Wessel-Lied auf einer Vuvuzela getrötet? Vermutlich sollten wir uns zukünftig davor hüten, irgendwo Tabellenführer zu werden, man weiß ja nie, ob dahinter nicht auch irgendwo adolfisch-großdeutsches Gedankengut zu wittern ist…Die Dame hat sich für den Spruch entschuldigt, und damit sollte es dann auch gut sein. Locker bleiben, Deutschland.

Und was ist mit Tee?

Wie erkennt man, ob man sich in einem niveauvollen gastromischen Betrieb befindet?

Man bestellt einen Tee…

Lautet die Frage des Bedienpersonals dann „Möchten Sie schwarzen Tee?“ hat man in der Regel schon verloren. Vermutlich wird in Kürze ein Glas lauwarmes Wasser serviert werden, begleitet von einem mindesten zwölf Jahre alten vertrockneten Teebeutel. Mahlzeit, das treibt auch den härtesten Teefreund zu Starbucks.

Kleiner Exkurs: Tee heißt Tee, weil er aus Pflanzenteilen der Teepflanze (Camellia sinensis) hergestellt wird. Kräuter-, Früchte- und andere scheussliche Aufgüsse mögen wohl im Handel und umgangssprachlich auch unter „Tee“ laufen, Dr. Huch hält dies für skandalös. Diese zusammengefegten und aromatisierten Unkrautreste sollten nicht in einem Atemzug mit wirklchen Teesorten genannt werden dürfen. Basta.

Die einzige zulässige Nachfrage wäre „Schwarzer, grüner oder weißer Tee?“, gefolgt von der Provenienz, z.B. „Bevorzugen Sie Darjeeling, Ceylon oder Assam?“.  Gehobene Gastronomie sollte zudem noch über ein gewisses Spektrum je Herkunftsort verfügen „Wir hätten einen hervorragenden First Flush Darjeeling anzubieten, oder darf es der etwas kräftigere Second Flush sein?“.

Ja, so sollte es sein…die Wirklichkeit sieht leider anders aus, wobei man feststellen kann, dass der Grad an Kulturlosigkeit von Nord nach Süd zunimmt, wobei Ausreisser in beide Richtungen festzustellen sind.

Ein Klassiker aus dem Gruselkabinett des Teetrinkers:  Man hat sich mühevoll mit der Bedienung auf die Lieferung eines schwarzen Tees geeinigt, um dann mit einer Tasse/Kübel/Kännchen/Becher Earl Grey beglückt zu werden. Ein scheussliches Gesöff bestehend aus Tee und viel Bergamott-Öl. Würg, spei, göbel… Kein Wunder dass die Engländer einen derart schlechten Ruf geniessen, was ihre kulinarischen Vorlieben anbelangt.

Besonders rührend mutete auch die Frage an, die Dr. Huch dereinst in einem amerikanischen Coffee Shop von der Serviererin gestellt bekam: „Sir, do you want some more hot water for your Teabag?“

Dazu muss man wissen, dass man dort üblicherweise Kaffee bis zum Abwinken serviert bekommt. Nunja, dachte sich das kluge Kind, gießen wir ihm halt seinen Teebeutel sooft er möchte mit heissem Wasser wieder auf. Muss erwähnt werden, dass dieses Ereignis in Boston stattfand, wo man traditionell auf „Tea-Parties“ das ungeliebte Gesöff im Meer versenkt?

Das U-Wort

Der Zahnarzt? Fühlt auf dem Malediven einer Südseeschönheit auf den Zahn. Der Klempner? Zum Rohrverlegen nach Mallorca abgedüst. Der Fliesenleger? Legt auf Kreta eine flach. Der Postbote? Eine Aushilfe, der in Dr. Huchs Briefkasten auch gleich die Post der linken und rechten Nachbarn unterzubringen versteht. Der Malermeister? Hat den Farbeimer mit einem Eimer Sangria vertauscht.

Kurzum, die Urlaubszeit bricht aus und die öffentliche Ordnung zusammen, wie jedes Jahr.

Dr. Huch wird nie begreifen, warum sich die Leute dann, wenn es hier  unerträglich heiss und schwül ist, auf beschwerliche Reisen begeben, an deren Ziel es noch heisser und noch schwüler ist…